Die Entstehung des Bottroper Rathauses

Die industrielle Entwicklung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, deren Ursache die Abteufung immer neuer Kohlenschächte war, hatte eine schnelle Zunahme der Bottroper Bevölkerung zur Folge. Dieser Bevölkerungsanstieg machte auch eine Änderung der Leitung und Verwaltung erforderlich. Die Gemeindeverwaltung oblag bis zu diesem Zeitpunkt dem Bürgermeister, dem in der Regel ein Sekretär, ein Polizeibeamter und Bauernboten zur Verfügung standen. Da die Gemeinde keine speziellen Amtsräume besaß, befasste sich die Amtsversammlung erstmals im August 1873 mit dem Problem der Errichtung eines eigenen Amtshauses. Die Verwirklichung dieses Gedankens zog sich jedoch noch länger hin. Erst im Jahre 1875 kam es zum Ankauf eines eigenen Grund-stückes an der Kirchhellener Straße und zum Bau des ersten Amts-hauses. Zur Bestreitung der Kosten nahm die Gemeinde ein Darlehn in Höhe von 40.000 Mark von der Provinzialhilfskasse auf.

Im Februar 1879 wurde der Neubau, der nach den Plänen des Essener Architekten H. F. Hardung erbaut worden war, eingeweiht. Das Amtshaus umfasste drei Büroräume, ein Sitzungszimmer und einen Kassenraum. Das erste Stockwerk mit acht Räumen bewohnte der Amtsmann der Gemeinde. Bis zum Jahre 1892 stiegen die Verwaltungsanforderungen dermaßen an, dass das gesamte Amtshaus für Bürozwecke erforderlich wurde. Der Amtsmann erhielt im zugehörigen Gartengelände eine eigens erbaute Dienstwohnung.

 

Um 1900 genügte das alte Amtshaus nicht mehr. Der eigene Gemeindebaumeister Möller ließ 1902 an der Nordseite des Amtsgebäudes einen ganzen Flügel entlang der Kirchhellener Straße anbauen, der noch heute besteht. Für die Verwaltung standen nun im Erdgeschoss 14 Büroräume, eine Stube für die ständige Wache und eine Polizeimannschaftsstube zur Verfügung. Weitere 12 Büroräume, ein großer und ein kleiner Sitzungssaal befanden sich im ersten Stockwerk. Im Keller lagen eine Schreinerwerkstatt, mehrere Arrestzellen und andere Nebenräume.

Mehr Platz musste her

Ein Jahrzehnt später erwies sich auch dieser Bau als völlig un-zureichend. Inzwischen waren zu den Kohlenzechen Prosper I und II die Zechen Rheinbaben (1900), Prosper III (1908), Arenberg-Fortsetzung (1912) hinzugekommen. Um die Übersicht und Lenkung über die inzwischen auf 68.000 Einwohner angewachsene Gemeinde nicht zu verlieren, musste neuer Raum für die ständig wachsenden Verwaltungsgeschäfte geschaffen werden.

 

Während der Rat noch im März 1910 aus Sparsamkeitsgründen den Vorschlag eines Rathausneubaues ablehnte, gab er zwei Jahre später dem Drängen der Verwaltung nach und bewilligte am 8.11.1912 400.000 Mark für diesen Neubau. Die eigens gebildete Bebauungsplankommission schrieb einen Preiswettbewerb aus und die eingesetzten Preisrichter wählten den Entwurf des Essener Architekten Ludwig Becker.

Optisch kaum verändert

Im Oktober 1913 begann man mit dem Abbruch des alten Amtshauses, wobei der Erweiterungsflügel von 1902 stehen gelassen wurde. Obwohl mit dem Neubau erst im Februar 1914 begonnen wurde, stand der Rohbau bis zum Dachgeschoss zu Beginn des 1. Weltkrieges. Durch die Kriegsereignisse verzögerte sich der weitere Ausbau und die Inneneinrichtung. Trotzdem konnten die meisten Büroräume bis zum Mai 1916 fertig gestellt und bezogen werden.

 

In den 20er Jahren wurde die Umgebung des Rathauses zu einem Verwaltungszentrum ausgebaut. So entstanden in unmittelbarer Nähe das Finanz-, Polizei- und das Arbeitsamt sowie das Mädchengymnasium. Auch das Amtsgericht, das Bergrevieramt und die Feuerwache befanden sich in der Nähe dieses Verwaltungsviertels.

 

Das Rathausgebäude zeigt sich dem Betrachter heute noch in der Form, wie es im Jahre 1916 fertig gestellt wurde. Nur das Dach, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde, zeigt kleine Abweichungen von der ursprünglichen Bauweise.

 

(Quelle: Stadt Bottrop)

 

Auch zwei Kirchhellener (jeweils ganz links und ganz rechts im Bild) erhielten die Auszeichnung der Stadt - Foto: Pressestellte Stadt Bottrop
Von links: Technischer Beigeordneter Klaus Müller, Martin Stolz (Dezernent bei der Bezirksregierung Münster) und Oberbürgermeister Bernd Tischler - Foto: Pressestelle Stadt Bottrop