Immobilienumsätze auf Rekordniveau

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Bottrop veröffentlicht den Grundstücksmarktbericht 2017

In Bottrop wurden 2016 über 200 Millionen Euro für Immobilien ausgegeben - Foto: © Thorben Wengert - Pixelio

Die Immobilie als Kapitalanlage und für viele als erste Wahl zum individuellen Wohnen, bleibt weiter stark gefragt. Nach den relativ hohen Zahlen der vergangenen Jahre wurde der Immobilienmarkt abermals durch das günstige Zinsniveau für Immobilienkredite, in Verbindung mit dem niedrigen Zinsniveau für andere Geldanlagen, angetrieben. Insgesamt wurden im Jahr 2016 für Immobilien im Bereich der Stadt Bottrop 212,5 Millionen Euro ausgegeben. Der Gesamtumsatz hat damit zum zweiten Mal nach 1999 die Marke von 200 Millionen Euro überschritten.

 

In 2016 ist die Anzahl der vom Gutachterausschuss registrierten Kauffälle gegenüber dem Vorjahr 2015 von 1027 auf 1163 gestiegen (+13 %). Auch im langjährigen Vergleich ist die Anzahl der Kauffälle im oberen Bereich anzusiedeln. Auch in 2016 waren Eigentumswohnungen, sowohl gebrauchte (307 Fälle) als auch neu erstellte (60 Fälle) Wohnungen, wieder überdurchschnittlich nachgefragt. Insgesamt wurden 451 Kauffälle im Bereich Wohnungseigentum/Teileigentum registriert; der Durchschnitt der letzten 10 Jahre liegt dagegen bei 329 Kauffällen.

Unter Teileigentum versteht man das ideelle Eigentum an nicht zu Wohnzwecken dienenden Räumen, an Garagen oder Tiefgaragenstellplätzen. Der durchschnittlich gezahlte Kaufpreis je Wohnungs-/Teileigentum lag bei rund 109.000 Euro. Eine neu errichtete Eigentumswohnung kostete etwa 2.700 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, für eine etwa 25 Jahre alte Wohnung wurden rund 1.600 Euro pro Quadratmeter erzielt, für eine etwa 35 Jahre alte Wohnung 1.300 und eine etwa 45 Jahre alte Wohnung kostete noch ca. 1.100 Euro pro Quadratmeter. Damit zogen die Preise für Eigentumswohnungen, sowohl für gebrauchte als auch für neu erstellte Wohnungen, an. Auffällig dabei ist, dass gerade bei den neu erstellten Wohnungseigentumsobjekten die Quadratmeterpreise von unten nach oben ansteigen. Somit ist die Erdgeschosswohnung mit Gartennutzung günstiger zu haben, als eine Obergeschosswohnung oder gar eine Staffelgeschosswohnung. Anders ausgedrückt: eine Wohnung mit einer Dachterrasse und ohne eine weitere Wohnung darüber ist beliebter, als eine Wohnung mit Gartenanteil. Anzumerken ist, dass die Neubau-Wohnungseigentumsobjekte sämtlich mit einem Aufzug ausgestattet sind.

Unbebaute Grundstücke gewannen an Beliebtheit

Eine signifikante Preisentwicklung für bebaute Grundstücke des individuellen Wohnungsbaus, bei Mehrfamilienwohnhäusern aus dem Bestand und bei Gewerbegrundstücken lässt sich nicht feststellen. Auch die Anzahl der Verkäufe bebauter Grundstücke erreichte mit 505 Fällen wieder das Vorjahresniveau (499 Fälle). Ein neu erstelltes Reihenmittelhaus kostete im Durchschnitt rund 260.000 Euro, ein neues Reihenendhaus 280.000 und ein neues freistehendes Einfamilienhaus rund 440.000. Die einzelnen Objektpreise variieren aufgrund unterschiedlicher Ausstattungen und Baugebiete jedoch sehr, so dass ein Preisvergleich zu den Vorjahren nicht möglich ist.

Die Anzahl der Verkäufe unbebauter Grundstücke hat insgesamt gesehen stark zugelegt. Gegenüber 2015 (119 Verkäufe) stieg die Zahl um über 70 % auf 207 Kauffälle. Dies ist insbesondere der Entwicklung neuer Baugebiete, wie z. B. in Feldhausen und an der Ludgeristraße, geschuldet. Trotzdem konnte bei den freien Baugrundstücken keine allgemeine Preisentwicklung festgestellt werden. Lediglich in den angrenzenden Lagen von Grafenwald hat der Gutachterausschuss die Bodenrichtwerte angehoben. Hier konnte, genauso wie es schon im letzten Jahr im zentralen Bereich von Grafenwald der Fall war, eine verstärkte Kaufbereitschaft, verbunden mit höheren Preisen, ausgemacht werden. Auch war festzustellen, dass Bauträger in einzelnen Fällen bereit waren, überdurchschnittliche Preise zu bezahlen, wenn sie auf diesen Grundstücken hochwertige Neubau- Eigentumswohnungsanlagen realisieren konnten. Dies war bei Grundstücken in Gebieten der Fall, die nach ihrer Lage und ihrer infrastrukturellen Ausstattung eine hohe Wohn- und Lebensqualität aufweisen.

 

19 Prozent der Käufer aus Kirchhellen

Die Bodenrichtwerte im Bereich der Wohnnutzung (Ein- und Zweifamilienwohnhäuser) betragen in guten Lagen von Bottrop rund 300 Euro pro Quadratmeter, in mittleren Lagen rund 210 und in den einfachen Lagen im Mittel 145 Euro. Anders als bei den Baugrundstücken hat der Gutachterausschuss jedoch die Richtwerte für die landwirtschaftlich genutzten Grundstücke um jeweils 0,50 Euro angehoben. Diese Entwicklung lässt sich dem Grunde nach auch bei einigen anderen Nachbarstädten Bottrops ablesen und resultiert aus einer verstärkten Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen bei einem vergleichsweise geringen Angebot. Die landwirtschaftlichen Richtwerte liegen damit bei 5,50 € bis 7 € je Quadratmeter.

Der typische Immobilienkäufer in Bottrop kommt auch aus Bottrop: In 54 % aller Grundstückskäufe war dies der Fall, in 19 % der Fälle kam der Käufer aus Kirchhellen und in 27 % war ein Auswärtiger der Käufer. Aufgrund der Siedlungsdichte überrascht es auch nicht, dass drei Viertel aller Verkäufe (861 Fälle) in der Gemarkung Bottrop und ein Viertel (302 Fälle) in der Gemarkung Kirchhellen getätigt wurden. In 2016 wurden Grundstücke (bebaute und unbebaute) mit einer Gesamtfläche von 202,4 ha verkauft, dies entspricht ca. 2 % der Gesamtfläche Bottrops.

 

Gutachterausschuss sorgt für Transparenz

Der Grundstücksmarktbericht hat die Aufgabe, den örtlichen Grundstücksmarkt transparent zu machen. Die Notare sind diesbezüglich gesetzlich verpflichtet, jeden Kaufvertrag dem Gutachterausschuss zu übersenden. Dieser führt eine Kaufpreissammlung, wertet sie aus und ermittelt Bodenrichtwerte und sonstige für die Wertermittlung erforderliche Daten, wie Liegenschaftszinssätze, Marktanpassungsfaktoren und Indexreihen.

Der Grundstücksmarktbericht mit allen zur Wertermittlung erforderlichen Daten kann unter der Internetadresse www.boris.nrw.de in vollständiger Form kostenlos heruntergeladen werden. Wer den Grundstücksmarktbericht in gedruckter Form erwerben möchte, kann ihn bei der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses, Am Eickholtshof 24, 46236 Bottrop zum Preis von 28 Euro bestellen. Auch die Bodenrichtwerte können im Internet kostenlos eingesehen und als amtlicher Auszug ausgedruckt werden; durch Anklicken des jeweiligen Bodenrichtwertes öffnen sich zudem die örtlichen Fachinformationen, die zur Ableitung und Anwendung der zonalen Bodenrichtwerte zu beachten sind.

Der Gutachterausschuss ist eine Einrichtung des Landes. Er ist ein selbstständiges, an Weisungen nicht gebundenes Kollegialgremium, deren Mitglieder von der Bezirksregierung Münster bestellt werden. Die Tätigkeit in den Gutachterausschüssen ist ehrenamtlich. Hauptberuflich sind die sachverständigen Mitglieder in den Bereichen Architektur, Bau- und Vermessungswesen, Wohnungs-, Immobilienwirtschaft, Bankwesen und Landwirtschaft tätig.

 

Quelle: Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Bottrop

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