Die Geschichte des Polsterteams

Die Familie Hansen ist seit mehr als 50 Jahren Experte für Polstermöbel – In diesem Jahr findet ein Generationswechsel statt

Die Familie arbeitet Hand in Hand im Betrieb in Grafenwald. Foto: Julian Schäpertöns

Auch in diesem Monat stellen wir die Geschichte eines ortsansässigen Unternehmens vor. Diesmal waren wir zu Besuch beim Polsterteam in Grafenwald. Gemeinsam mit Joachim und Lars Hansen blicken wir auf die Entwicklung des kleinen Familienbetriebs zurück.

 

„In Zukunft wird wohl nicht weniger zu tun sein. Die Nachfrage wird immer größer“, ist Lars Hansen zuversichtlich. Das sind rosige Aussichten für den 28-Jährigen Wöller und dürfte auch Papa Joachim die Entscheidung leichter gemacht haben, den Betrieb nun an die nächste Generation weiterzugeben. Vor 26 Jahren übernimmt Joachim Hansen selbst den Betrieb von seinem Vater. Nun ist die Zeit eines weiteren Generationswechsels gekommen. „Das ist ein schleichender Prozess, aber zum Ende des Jahres wird es wohl so weit sein“, sagt Joachim Hansen. Doch so ganz zurückziehen will er sich auch nicht...

Es ist im Jahr 1960 als Lars Hansens Großeltern Wilhelm und Sieglinde den Grundstein der heutigen Polsterei legen. „Angefangen hat alles ganz klein mit einer Gardinenwäscherei im Haus“, erinnert sich Joachim Hansen. Schnell wird das erste Ladenlokal an der Scharnhölzstraße in Bottrop geöffnet. Das Unternehmen wächst und bietet eine große Palette im Bereich der Raumgestaltung an. Gardinen, Sonnenschutz, Bodenbeläge, Farben und Tapeten sind zu finden. Von 1972 bis 1975 macht Joachim Hansen seine Lehre als Raumausstatter, 1978 legt er seine Meisterprüfung ab und tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Im Jahr 1992 übernimmt Joachim Hansen dann das Geschäft. Aus „Raumausstattung Hansen“ wird „Raumdesign Hansen“. Doch im Jahr 2004 schlägt das Schicksal zu. Joachim Hansen erkrankt schwer und kann nicht mehr gut auf Leitern steigen und manchen körperlichen Aufgaben im Unternehmen nachgehen. Der Betrieb wird komplett umgekrempelt. Die Tätigkeitsgebiete Fensterdekoration, Sonnenschutz, Bodenbelag und Wandbeschichtung werden eingestellt. Es folgt eine Spezialisierung auf die Polsterei. 2016 folgt dann der Umzug in die heutigen Räumlichkeiten an der Schneiderstraße 76.   

Lars Hansen bei der Arbeit in der Werkstatt. Foto: Julian Schäpertöns

Heute haben sich Vater und Sohn auf drei Tätigkeitsfelder konzentriert. Zum einen kommen viele Kunden, die ihre vorhandenen Möbel neu beziehen lassen wollen. „Es macht Sinn, alte Möbel nicht wegzutun, sondern aufzuarbeiten. Denn viele der heutigen Möbel haben bei weitem nicht mehr die Qualität wie die alten Stücke. Durch eine neue Polsterung hat man wieder viele Jahre was von seinen Lieblingsstücken“, erklärt Joachim Hansen. Zunehmend kommen aber auch immer mehr private Kunden, die sich individuell Polstermöbel anfertigen lassen wollen. „Wir fertigen dabei nach Maß an, beachten Größe und Gewicht der Kunden und können so zum Beispiel eine Couch optimieren und dem Kunden anpassen“, so Lars Hansen. „Das ist nicht vergleichbar mit den Industriemöbel aus den Möbelhäusern.“

Möbel in die ganze Welt geliefert

Doch zu den Kunden zählen nicht nur anspruchsvolle Privat- und Firmenkunden, sondern auch Objektausstatter und Planungsbüros. Mittlerweile stehen Anfertigungen vom Polsterteam in der ganzen Welt. Namenhafte Luxusmarken wie Dior haben Sitzmöbel in Grafenwald bestellt. Mittlerweile stehen Polstermöbel in Dubai, Las Vegas, Moskau, Paris, London und Mailand. Auch in zahlreichen Hotels in Deutschland und Europa sind Möbel made in Grafenwald zu finden. Bei einem der letzten Aufträge für ein 5-Sterne-Hotel in Bad Kissingen wurde der komplette Restaurant- und Barbereich ausgestattet. „Über 400 Quadratmeter Leder haben wir dabei verarbeitet und einen kompletten Lkw mit Möbeln voll gemacht“, erinnern sich Lars und Joachim Hansen.

„Man sieht immer wieder was anderes und lernt nie aus. Kein Sofa ist gleich“, schwärmt Lars Hansen über seinen Beruf. Der 28-Jährige hat selbst seine Ausbildung zum Raumausstatter mit dem Schwerpunkt Polsterei im eigenen Familienbetrieb abgeschlossen. Zusammen mit seiner Verlobten Claudia ist er nun bereit, seine eigene Handschrift ins Unternehmen zu bringen. Doch viel verändern möchte er vorerst nichts. „Wir sind auf einem guten Weg“, ist sich der Wöller sicher. Und auch wenn sich Papa Joachim etwas zu Ruhe setzen möchte, wird er weiterhin seinem Sohn mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Joachim Hansen mit einem ganz besonderen Stuhl, an dem er lange gearbeitet hat. Foto: Julian Schäpertöns

von Julian Schäpertöns