Das Dorf im Jahr 2030

Diese Zukunftsvisionen und Pläne haben Bürger und die Stadt für Kirchhellen in den nächsten Jahren

Dorothee Lauter kennt die Wünsche und Pläne, wie sich Kirchhellen in den nächsten Jahren entwickeln soll. Foto: Julian Schäpertöns

„Es ist eine Art Quartierskonzept, den wir in den vergangenen Jahren für Kirchhellen entwickelt haben und der ab nächstes Jahr endlich umgesetzt werden soll“, erzählt Dorothee Lauter. Sie ist bei der Stadt Bottrop die stellvertretende Leiterin in der Koordinierungsstelle integrierte Stadtentwicklung und beschäftigt sich seit mehr als drei Jahren intensiv mit dem Projekt „Zukunftsstadt 2030+“ (siehe unten). Über mehrere Jahre wurden Visionen und Ideen entwickelt, wie die Stadt der Zukunft aussehen soll. Wir trafen Dorothee Lauter zum Gespräch und haben uns erklären lassen, welche Pläne die Bürger gemeinsam mit der Stadt für Kirchhellen erarbeitet haben und welche Maßnahmen schon zeitnah umgesetzt werden sollen...

Johann-Breuker-Platz

Für den Johann-Breuker-Platz seien „unglaublich viele Ideen“ zusammengetragen worden. Von einem Lesecafé bis hin zu einem mobilen Biergarten wurden Vorschläge gemacht und nun wird überlegt, welche man am besten umsetzen könnte. Doch eines steht dabei fest: „Auch im Jahr 2030 soll der Platz als zentraler Veranstaltungsort und für den Markt nutzbar sein.“ Somit muss man bei baulichen Vorhaben schauen, dass diese Nutzung nicht eingeschränkt wird. Dorothee Lauters Vision vom Johann-Breuker-Platz im Jahr 2030: Es ist ein beschatteter Raum mit einer guten klimatischen Atmosphäre und „grünen Inseln“. Es gibt Pflanzbeete, Bänke und Spielgeräte. Der Platz ist belebt mit Menschen, die in Cafés sitzen. „Der Platz muss sich an die Bedürfnisse der Kirchhellener anpassen“, so Lauter. Einige Maßnahmen, wie eine mobile Begrünung oder das Aufstellen von Bänken soll schon in nächster Zeit umgesetzt werden.

Für die Nutzung und Gestaltung des Johann-Breuker-Platzes gibt es viele Ideen. Foto: Julian Schäpertöns

Einzelhandel

Verschiedene Geschäfte und Gastronomien beleben einen Ort. „Da ist Kirchhellen jetzt schon gut aufgestellt und das soll auch so bleiben. Deswegen müssen wir den Einzelhandel und die Gastronomie weiter stärken“, betont Dorothee Lauter. Wichtig sei es dabei, einen guten Mix für das Dorf zu gewährleisten. Eine große Herausforderung sei dabei auch das Thema Digitalisierung. „In Zukunft müssen die Einzelhändler im Dorf unterstützt werden, damit sie sich gegenüber der Konkurrenz von Amazon und Co. gut behaupten können und wir auch im Jahr 2030 eine belebte Ortsmitte mit vielen individuellen Geschäften haben.“   

Grünflächen

In Analysen wurde festgestellt: In Zukunft bleibt auch ein ländlich geprägter Raum wie Kirchhellen nicht von sogenannten Hitzeinseln verschont. Die Ortsmitte ist eng bebaut und hat fast schon städtischen Charakter. „Deswegen sei es umso wichtiger, für mehr Grünflächen in der Dorfmitte zu sorgen. Das war den Bürgern bei unseren Gesprächen besonders wichtig“, sagt Dorothee Lauter. So sollen die vorhandenen Flächen aufgewertet werden. Aber es sollen auch neue Grünflächen angelegt werden. „Zusammen mit dem Planungsbüro überlegen wir, wo in Kirchhellen ein kleiner Park entstehen könnte“, erzählt Dorothee Lauter. Aber auch schon in nächster Zeit sollen kleinere Maßnahmen umgesetzt werden. Konkret wird an Beete, Pflanzkübel, Fassadenbegrünung oder urbanen Gartenbau gedacht.       

Wohnen

Kirchhellen ist als Wohnort sehr nachgefragt. Im gesamten Stadtgebiet hat das Dorf die teuersten Quadratmeterpreise. Das wird sich wohl auch im Jahr 2030 nicht geändert haben, wenn Kirchhellen weiterhin so attraktiv bleibt. Kirchhellen wird weiter wachsen, es gibt noch Bebauungsgebiete, die erschlossen werden können. „Ziel ist es, eine gute soziale und generationengerechte Durchmischung der Bevölkerung zu schaffen“, erklärt Dorothee Lauter. Das heißt konkret, dass es sowohl Wohnraum für ältere Menschen wie auch junge Familien geben wird. Aber auch soziale Strukturen sollen durchmischt und mehr sozialer Wohnungsbau gefördert werden.   

Demographischer Wandel

Die Bevölkerung wird immer älter. Das wird sich auch in Kirchhellen bemerkbar machen. Da Menschen immer länger Zuhause bleiben, bevor sie in ein Altenheim ziehen, ist der Bereich altengerechtes Wohnen ein großes Thema. Schon jetzt ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Neubauten barrierefrei sein müssen. Zudem muss auch die Mobilität im Alter gesichert sein, damit alte Menschen trotz gesundheitlicher Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Eine Art Bürgerbus ist ein Wunsch der Kirchellener. Zudem wird es in Zukunft ein größeres Angebot an Tagespflege geben.

Schule

Im Jahr 2030 werden sich auch unsere Schulen verändern. Digitale Medien gehören in allen Klassenräumen zur Selbstverständlichkeit. Ein Wunsch bei der Planungs­werkstatt war auch die Neugestaltung der Schulhöfe. „Die Schulhöfe der Zukunft sind viel grüner als sie es heute sind“, unterstreicht Dorothee Lauter.  

Die Schulhöfe sollen im Jahr 2030 grüner sein. Foto: Julian Schäpertöns

Umwelt

Im Strombereich ist Kirchhellen schon autark, 2030 soll auch die Wärmeversorgung eigenständig und unabhängig sein. Kirchhellen hat aufgrund seiner landwirtschaftlich geprägten Strukturen im Hinblick auf die Produktion von Energie aus Biostoffen ein besonders hohes Poten­zial für die Wärmeversorgung. Ziel ist es mittelfristig ein Nahwärmenetz aufzubauen. Eine 100 prozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien in den Bereichen Strom und Wärme für alle privaten Haushalte in Kirchhellen soll im Jahr 2030 realisiert sein. Auch der CO2-Ausstoß soll 2030 im Vergleich zum Jahr 2010 um 50 Prozent reduziert werden. „Kirchhellen soll klimafreundlicher sein als es heute ist“, so Dorothee Lauter.  

Digitalisierung

Auch im Bereich der Digitalisierung wird sich in nächster Zeit einiges tun. Neben leistungsstarkem Internet, auch im ländlich gelegenen Teilen, denke man über digitale Straßenbeleuchtung und individuelle Quartier-Apps nach.   

Mobilität

Auch im Bereich der Mobilität und Infrastruktur wird sich in den nächsten Jahren einiges tun. Die Vision sieht vor, dass es im Jahr 2030 autonome Verkehrsmittel gibt, die auch abgelegenere Teile von Kirchhellen verbinden. 2030 sollen Menschen in Kirchhellen flächendeckend und unabhängig von der Tageszeit autofrei mobil sein. Ziel sei es dabei, den Individualverkehr zu verringern und das ÖPNV-Netz zu verbessern. Überlegt wird auch, ob zunächst und zeitnah Mitfahrerbänke eingerichtet werden sollen. Der Anteil der E-Autos soll erhöht werden. Zusätzlich wird über eine Verkehrsberuhigung auf der Hauptstraße nachgedacht. „Im Ortskern wird es dadurch leiser und die Luftqualität wird deutlich verbessert“, sagt Dorothee Lauter. Auch die Verkehrswege, besonders zu Schulen, sollen sicherer gemacht werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau von Radwegen.    

Es könnten bald auch autonome Busse durch den Ort fahren. Foto: Julian Schäpertöns

Worum geht es bei dem Projekt „Zukunftsstadt 2030+“?

Das Projekt „Zukunftsstadt 2030+“ ist ein Wettbewerb, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufen hat. Die zentrale Frage dabei: „Was macht unsere Stadt von morgen aus?“ Das Projekt gliedert sich in drei Phasen. 51 Städte haben sich beworben und erhalten in jeder Phase Fördermittel vom Staat. Von 2015 bis 2016 ging es darum, eine Vision für die Stadtentwicklung bis ins Jahr 2030 zu entwickeln. Bürger, Verbände, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung wurden in dem Prozess stark mit einbezogen. 2017 bis 2018 hat das Projektteam um Dorothee Lauter Maßnahmen entwickelt und konkretisiert. In der dritten Phase, die 2019 startet, geht es um die Umsetzung dieser Maßnahmen. Für diese Phase wurden nur noch acht Städte aus ganz Deutschland ausgewählt. Hier werden Gelder für Personal zur Umsetzung der Maßnahmen bereit gestellt werden. Leider hat die Stadt Bottrop den Sprung in die dritte und letzte Phase des Wettbewerbes nicht geschafft. Dennoch geht der erfolgreich etablierte Prozess Zukunftsstadt 2030+ hier vor Ort weiter. Die Verwaltung wird gemeinsam mit Akteuren vor Ort Aktionen und kleinere Maßnahmen schon im nächsten Jahr umsetzen und gleichzeitig für die größeren Projekte Fördermittel akquirieren.
 
Habt Ihr Ideen für Kirchhellen? Weitere Informationen und Anregungen unter www.zukunftsstadt-bottrop.de

von Julian Schäpertöns