Bis jemand totgefahren wird...

Raser machen nachts Kirchhellen unsicher – Bürger und Politik fordern mehr Verkehrskontrollen

Das Tempolimit von 30 km/h an der Hauptstraße wird von den Rasern ignoriert. Foto: Julian Schäpertöns

Lautes Motorengeheule ertönt nachts regelmäßig im Dorf. Denn sobald es dunkel wird, werden die Straßen in Kirchhellen-Mitte zur Rennstrecke. In den vergangenen Wochen treffen sich beinahe täglich Temposünder mit ihren getunten Autos in Kirchhellen. Anwohner sind genervt, die Politik fordert bessere Kontrollen.

 

Daniel Siebe von der gleichnamigen Gebäudereinigungsfirma mit Sitz an der Hauptstraße beobachtet es regelmäßig. „Besonders in den Abendstunden ist es sehr auffällig, dass zum Ortsausgang stark beschleunigt wird. Zumeist mit Motorrädern oder getunten Autos“, sagt der Kirchhellener. Doch nicht nur die Anwohner an der Hauptstraße fühlen sich von den Rasern gestört. „Mit quietschenden Reifen und lautem Auspuff rasen die Halbgescheiten ab 22 Uhr immer wieder an unserem Kinderzimmerfenster vorbei“, erzählt eine Anwohnerin der Schulze-Delitzsch-Straße, die anonym bleiben möchte. „Dass ist bei den jetzigen Temperaturen echt schlimm, da unsere Kinder bei offenem Fenster schlafen und regelmäßig durch den Lärm geweckt werden.“

 

Treffpunkt der Raser ist der Volksbank-Parkplatz an der Schulze-Delitzsch-Straße Ecke Oberhofstraße. Von dort aus wird das ganze Dorf unsicher gemacht. Das Problem ist schon länger bekannt, doch in den vergangenen Tagen sind wieder vermehrt laute Motorengeräusche und viel zu schnelle Fahrzeuge von Bewohnern wahrgenommen worden – und das fast täglich. „Es wird von Seiten der Polizei überhaupt nichts unternommen, um der Raserei Einhalt zu gebieten. Stattdessen wird ja lieber an der Hackfurthstraße dauerhaft geblitzt“, beschwert sich ein Anwohner. Das Gefühl, dass die Polizei machtlos gegenüber den Rasern ist, haben viele Kirchhellener. Auch Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder (CDU) wünscht sich stärkere Kontrollen, vor allem zu späterer Stunde. „Das ist eine große Gefährdung der Bürger. Hier sind Stadt und Polizei gefragt“, so Schnieder. „Tagsüber finden andauernd Verkehrskontrollen an Stellen statt, wo dies überhaupt nicht nötig ist. Doch ab 21 Uhr passiert nichts.“

Szene untereinander gut vernetzt

„Uns ist das Problem bekannt und wir führen immer wieder gezielt Kontrollen durch“, sagt Ramona Hörst, Pressesprecherin der zuständigen Polizeidienststelle. In den vergangenen Monaten konnten auch schon einige Delikte zur Anzeige gebracht werden. Gerade breite, gut ausgebaute Straßen, an denen keine stationären Blitzer stehen, sind in der Szene beliebt, weiß die Pressesprecherin. Wenn Anwohner Raser oder ein illegales Rennen beobachten, sollte sich umgehend das Kennzeichen gemerkt und sofort die 110 verständigt werden. Das Problem: Die Szene ist untereinander gut vernetzt und die Raser kriegen oft schnell mit, wenn irgendwo die Polizei steht, so Hörst.

 

„Die Treffpunkte der Raser sind bekannt. Hier muss die Polizei öfter und länger Präsenz zeigen. Auch mal mehrere Abende hintereinander“, fordert Ludger Schnieder. Denn auch wenn Straftaten beobachtet und gemeldet werden, so sind die Raser längst verschwunden, wenn die Polizei eintrifft. Wie viele Streifenwagen abends im Stadtgebiet im Einsatz sind, wollte die Polizei nicht sagen.

24 Stunden Polizei vor Ort

Auch die AfD Bottrop fordert mehr Polizeipräsenz. In rund 250 Haushalte im Umkreis des Kreisverkehrs und der Oberhofstraße fanden Anwohner in der vergangenen Woche ein Schreiben der AfD. Der Stadtverband wirft der Polizei Machtlosigkeit vor und fordert, die Wache in Kirchhellen rund um die Uhr zu besetzen. Den Vorschlag findet Ludger Schnieder allerdings überflüssig. „Dies würde keine Wirkung zeigen. Wir brauchen Polizisten auf den Straßen“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Höhere Strafen bei illegalen Autorennen

Bei hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen droht Rasern ein Bußgeld und Fahrverbot. Eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren droht bei illegalen Fahrzeugrennen. Hier hat die Rechtsprechung die Strafen im vergangenen Jahr deutlich verschärft. Seitdem gelten unerlaubte Straßenrennen nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit. „Wir werden auch weiterhin in Kirchhellen kontrollieren. Man muss immer mit uns rechnen“, verspricht Ramona Hörst.

 

Übrigens: Stationäre Blitzer an den Straßen sind laut Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder in nächster Zeit nicht geplant. Allerdings plant die Politik verkehrsberuhigende Maßnahmen für den Ortskern. So ist zum Beispiel angedacht, aus der Hauptstraße zwischen Kirche und Rossmann eine Einbahnstraße zu machen. Noch ist allerdings nichts entschieden.

von Julian Schäpertöns