Fotografie gestern und heute

In diesem Jahr werden Bildaufnahmen 180 Jahre alt. Der Kirchhellener Manfred Hedwig sammelt und dokumentiert seit vielen Jahren die Geschichte des Fotos.

Bilder wie diese sind heutzutage wirkliche Besonderheiten. Foto: privat

Wie einfach ist es doch heutzutage, Erinnerungen aller möglichen Lebenslagen in Form von Fotos festzuhalten. Mit dem Handy hat auch beinahe jeder eine Kamera immer griffbereit in der Tasche, die Bilder werden aufgenommen, bearbeitet, weitergeleitet und geteilt. Kein Problem.

 

Vor 180 Jahren sah das noch ganz anders aus. Da steckte die Fotografie in den Kinderschuhen, hoch aufwändige Techniken waren notwendig, um Ereignisse zu dokumentieren oder Personen zu porträtieren. Mit der Daguerreotypie nahm alles seinen Lauf: Hierbei wurden auf Hochglanz polierte versilberte Platten mittels Jod- und Bromdämpfen sensibilisiert. In der Dunkelkammer ist die Platte über warmen Quecksilberdämpfen entwickelt, das fertige Bild mit einer Zyankalilösung fixiert worden. Im Jahr 2019 ein undenkbarer und viel zu gefährlicher Aufwand.

 

Sammlerstücke

Hier zu sehen ist ein Bild aus den 1970er Jahren vom Hof Heisterkamp. Obwohl es noch gar nicht so alt ist, lassen sich die enormen Unterschiede zur Fotografie von heute erkennen. Foto: privat

Zum Jubiläum der Fotografie besuchte uns der langjährige Kirchhellener Fotograf Manfred Hedwig. Er ist nicht nur mit den alten wie neuen Techniken der Bildentwicklung vertraut, sondern besitzt außerdem besondere Sammlerstücke, die den Lauf der fotografischen Zeit darstellen. „Schon mit zehn Jahren stand ich das erste Mal in einer Dunkelkammer. Der Onkel meiner Mutter führte mich daran – seitdem drehte sich immer alles ums Bildermachen“, erzählt er. „Mein ganzes Kinderzimmer ist voll mit Fotos aus ganz unterschiedlichen Epochen, die ich über die Jahrzehnte hinweg zusammengetragen habe.“ Sein ältestes Exemplar stammt aus dem Jahr 1843.

Manfred Hedwig war und ist fasziniert von der Entwicklung, wie sie seit 1839 stattgefunden hat. „Das war einmal richtige Arbeit“, lacht er. Er selbst aber ließ sich zunächst zum Schmied ausbilden, das Fotografieren blieb ein Hobby. Erst als er Ende der 1960er Jahre zur Bundeswehr ging, wurde aus dem Hobby ein Beruf. 1978 eröffnete Manfred Hedwig sein Fotostudio gegenüber dem Kloster und machte sich in über 30 Jahren einen Namen im Dorf. Vor ihm galt der 1927 verstorbene Theodor Steinmann als Kirchhellens Fotograf. Seine Fotografien waren bereits Bestandteil der LebensArt-Serie „Wer kennt wen?“ und zeig(t)en eindrucksvoll Szenen vergangener Zeiten: Hochzeitspaare, Familienbilder, Porträts – jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte.

 

„Ich kann das Alte und das Neue“

War es in den 1830er Jahren noch etwas sehr Besonderes ein Foto von sich zu besitzen, wissen die Menschen heute meist gar nicht mehr, wohin mit all den Bilddateien. Noch vor 20 Jahren reichte auch ein 24er-Farbfilm, um seinen Urlaub zu dokumentieren. Jetzt bringt jeder 150 Bilder mit. Manfred Hedwig macht sich anlässlich des Jubiläums natürlich auch so seine Gedanken über diese Entwicklung, ist aber eigentlich ganz im Reinen damit: „Ich kann das Alte und das Neue. Alles hat seinen Sinn.“ Bloß gehört er nicht zu denjenigen, die einfach alles um sich herum bildlich festzuhalten versuchen, sondern er selektiert seine Motive. Dann bleiben sie etwas Besonderes. Und vielleicht unterhalten sich in 180 Jahren Leute über seine Bilder und eine furchtbar aufwändige alte Technik der Aufnahme...

 

von Katrin Kopatz