Wir besuchen den alten Hof Overgünne

Mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde sind wir der Geschichte auf der Spur

Urige Häuschen und traditionelle Bauten versuchen wir in der heutigen Zeit zu schützen. Sie erinnern uns an unsere Vorfahren und bringen ein Stück Geschichte in unser alltägliches Leben. Doch in den 1970er Jahren kam eine Welle in Deutschland auf, die neue Gebäude vor die alten setzten. Höher und moderner sollte es werden. Da mussten einige traditionelle Gebäude weichen.

Auch in Kirchhellen wurde Mitte der 1970er Jahre ein altes Kirchhellener Bauernhaus abgerissen. Die Rede ist vom alten Haus Overgünne. Nach dem Abriss vollzog auch die Landwirtschaft des Hofs Overgünne einen Wandel.Das Haus Overgünne war wohl das älteste Haus Kirchhellens. „Es ist nicht genau überliefert, wann es erbaut wurde. Doch es muss um die Mitte des 17. Jahrhunderts gewesen sein“, berichtet der Kirchhellener Landwirt Willi Overgünne. In dem Vestischen Lagerbuch von 1660 ist zum ersten Mal die Rede von einem Haus auf dem Hof Overgünne. Man geht davon aus, dass es sich hierbei um das alte Fachwerkhaus Overgünne handelt, welches an der Hackfurthstraße lag. Nach dem Vestischen Lagerbuch war ein Berndt Overgünne abgabepflichtig.

 

Das Vestische Lagerbuch wurde von der Oberkellnerei Horneburg erstellt. Darin sind die Namen sämtlicher Höfe und Kotten des Vestes Recklinghausen enthalten. Außerdem wurden auch die Abgaben und Dienste aufgeführt, die dem Landesherrn zu erbringen waren. Tradition wird fortgeführtWilli Overgünne ist selbst auf dem alten Hof groß geworden und erinnert sich noch gern an die Zeit zurück, als auf dem Hof noch traditionelle Landwirtschaft betrieben wurde.

„Wir hatten viele Weiden und Wiesen früher. Außerdem natürlich Rinder und Hühner aller Art. Mein Vater liebte die bunten Vögel“, berichtet Willi Overgünne mit einem Lachen. Anfang der 1960er Jahre bekam der Hof Overgünne den ersten Trecker. Nach und nach wandelte sich der landwirtschaftliche Betrieb. Doch ganz mit der Landwirtschaft aufhören kam für die Familie Overgünne nie in Frage. So wird auch noch heute ein Teil von den Kindern von Willi Overgünne fortgeführt. „Es ist auf jeden Fall schön, dass die Landwirtschaft ein Teil der Familie bleibt“, erklärt der Kirchhellener. Insbesondere den Hühnern ist die Familie treu geblieben. Ein Automat, an dem es frische Eier rund um die Uhr gibt, steht nun an der Einfahrt zum Hof.

So alt, so stabil

„Warum genau das schöne Haus abgerissen wurde, weiß ich gar nicht genau. Doch ich weiß noch, dass das ziemlich mühsam war, da der Fachwerkbau sehr stabil ist“, erklärt Willi Overgünne. Zu der Zeit, wo auch das alte Haus Overgünne erbaut wurde, wurde mit einer besonderen Bautechnik gearbeitet. Früher waren alle Häuser in Kirchhellen sogenannte Fachwerkbauten. Das ist eine Art Skelettbau aus Holz. Besonders markant sind die schräg eingebauten Streben, die das Skelett erst stabil machen. Die Zwischenräume, die dann entstehen, sind mit einem mit Lehm verputzten Holzgeflecht ausgefüllt. Zwischen den einzelnen Balken wurde ein Flechtwerk aus Zweigen und Weidenruten eingesetzt. Von dem „Winden“ entstand auch die spätere Bezeichnung „Wand“. Der Lehmbewurf und Kalkanstriche erfolgten innen und außen. So bekamen die Lehmwände die nötige Festigkeit gegen Unwetter.