Eine Kapelle birgt viele Geheimnisse

Auf Spurensuche mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen

Wo der Mühlenpatt und die Münsterstraße sich treffen, da steht die kleine Kappelle der Familie Strangemann. Die meisten Kirchhellener kennen das Heiligenhäuschen von außen, doch die wenigsten haben jemals einen Blick ins Innere der Kapelle geworfen. Dabei verbergen sich hier wahre Schätze und spannende Geschichten.

Über einen überraschenden Fund nach dem Zweiten Weltkrieg und zahlreiche Restaurierungen können die Eigentümer (Familie Strangemann) berichten. „Wenn in unserer Familie ein wichtiger Tag ansteht, gehe ich vorher immer in die Kapelle und zünde eine Kerze an. Mir liegt sie sehr am Herzen“, erzählt Irmgard Strangemann, als sie über das kleine Heiligenhäuschen berichtet, das seit nun bereits 118 Jahren im Familienbesitz ist. Über dem Eingang der kleinen Kapelle ragt die Jahreszahl 1842 und die Buchstaben G.B. „Wir gehen davon aus, dass die Jahreszahl das Datum des Aufbaus kennzeichnet. Die Buchstaben sind Initialen, die auf die alteingesessene Familie Große Breil hindeuten. Diese ließ die Kapelle erbauen“, berichtet der heutige Eigentümer der Kapelle, Johannes Strangemann. Die Kapelle gehört zu dem nahegelegenen Bauernhof, der 1898 gemeinsam mit der Kapelle an die Familie Strangemann aus Buer verkauft wurde.

Häufig restauriert

„Nach einem Brand war die Familie Große Breil zum Verkauf gezwungen“, erklärt Johannes Strangemann. Strangemanns Kapelle ist ein sogenanntes Heiligenhäuschen. Diese wurden meist zum Schutz einer innenstehenden Heiligenfigur erbaut. Auch in dem religiösen Kleinbauwerk der Familie Strangemann steht ein Ebenbild der Gottesmutter Maria. Sie bildet das Herzstück des Heiligenhäuschens. „Die Gottesmutter wurde schon unzählige Male restauriert“, berichtet Johannes Strangemann. Zum 150jährigen Bestehen der Kapelle wurde die bisher letzte Restaurierung von dem Künstler Josef Grasedieck durchgeführt. „Bevor er mit der Restaurierung begann, musste er zunächst viele Schichten Farbe von früheren Restaurierungen entfernen“, erinnert sich Irmgard Strangemann. Neben der Verehrung der Heiligen Maria wurden Heiligenhäuschen auch oft errichtet, um auf schreckliche Ereignisse hinzuweisen und so die Höfe vor weiterem Unheil zu schützen. Auch die Strangemann-Kapelle scheint aus dieser Motivation heraus erbaut worden zu sein. „Der Grund für den Aufbau der Kapelle war lange Zeit ungeklärt“, berichtet Johannes Strangemann: „Doch 1946 fand man unter dem Altar einen kleinen Hohlraum. In diesem verbargen sich noch Getreidereste. Daraus kann man schließen, dass die Kapelle auf Grund eines Unwetters erbaut wurde.“

Kurz vor dem Aus und doch gerettet

Die Familie Strangemann hat über die Jahre viel für den Erhalt der Kapelle getan. Denn so beschützt sie heutzutage zwischen den Bäumen steht, so unsicher war in den 1960er Jahren ihr Erhalt. Mit dem Ausbau der B223 kamen Probleme auf die Familie Strangemann zu. Die Kapelle stand kurz vor dem Abriss. Zunächst sollte sie versetzt werden, jedoch wären dies kaum tragbare Kosten für die Familie gewesen. Und auch als die Anbindung zum Mühlenpatt ausgebaut wurde, drohte der Kapelle das Ende. Nur durch vereinte Hilfe aus der Nachbarschaft konnte die Marienkapelle ihren Platz behalten. „Damals war der Plan, eine Treppe zu der Kapelle zu bauen. Ich bin froh, dass dieses Vorhaben abgewendet werden konnte“, erzählt Irmgard Strangemann. Und auch noch heute kommt die ganze Nachbarschaft im Monat Mai wöchentlich zur Andacht an der kleinen Kapelle zusammen.