Die Geschichte von Johann Breuker

Der Sozialreformer Johann Breuker gilt als Vorkämpfer für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Verhältnisse und als einer der bedeutendsten westfälischen Bauernführer

Foto: Privat

In Kirchhellen erinnern viele Stellen an Johann Breuker. Nicht nur der Platz in der Dorfmitte trägt den Namen des Kirchhelleners, auch sein Grab auf dem Friedhof wird sorgsam gepflegt. Ende des Jahres wird ihm zudem eine ganze Ausstellung im Heimathaus gewidmet. Grund genug, um uns gemeinsam mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde das Leben von Johann Breuker genauer anzusehen und zu erfahren, warum der Kirchhellener Bauer so bedeutend war.

Johann Breuker, geboren am 24. Mai 1817, stammte von einem Hof in der Bauernschaft Hardinghausen bei Kirchhellen. Nach der Volksschule besuchte er das Dorstener Progymnasium, musste es aber aufgrund eines Augenleidens wieder verlassen. So trat er das elterliche Erbe an und wurde Landwirt. Doch blieb er stets an politischen und sozialen Themen hochinteressiert.

Bedeutender westfälischer Bauernführer

Mit dem Aufkommen der Industrialisierung und dem Bergbau im Vest gerieten vor allem die Lebensbedingungen der Bauern aus den Gleisen. Johann Breuker erkannte früh die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses seiner Standesgenossen, um den schlimmsten Gefahren vorzubeugen. 1863 gründete er den Bezirks-Bauernverein Westholt für das Vest Recklinghausen. Zwar gab es auch schon vorher landwirtschaftliche Vereine. Doch waren diese vom Staat organisiert. Breuker wollte einen Bauernverein, unabhängig vom Staat, als Vertretung von Standesinteressen und Teil der Zivilgesellschaft.

Zwei ungleiche Freunde für eine Sache

Breuker veröffnetlichte unter dem Titel „Ein Bauer muß Bauer sein und bleiben“ mehrere Aufsätze, die seiner Idee eines sozialen Bauernvereins gewidmet waren. In der 1869 veröffentlichten Schrift „Buer et is Tied“ fasste er seine Gedanken zusammen und schickte diese an den Freiherrn von Schorlemer-Alst, der die erste Bauernorganisation in Wettringen gründete. So unterschiedlich der Landadlige Schorlemer und der Kleinbauer Breuker auch waren, beide verfolgten die gleichen Ziele und schlossen sich deshalb zusammen. 1870 gründeten sie den Westfälischen Bauernverein, bei dem Schorlemer zum erster Vorsitzender und Breuker zum Sekretär gewählt wurde. Die Hauptaufgabe der gegründeten Bauernvereine war es, Landwirten in der Nähe des aufstrebenden Ruhrgebietes in ihrem Kampf um den Bestand der Höfe zur Seite zu stehen.

Der Westfälische Bauer

Neben der Führung des Vereins stellte sich Breuker auch weiterhin die Aufgabe, publizistisch für die Belange des Landvolkes einzutreten. Er gründete deshalb die Zeitschrift „Der Westfälische Bauer“. Am 2. April 1870 erschien die erste Nummer des Wochenblattes, das Breuker mehr als 13 Jahre redigierte und herausgab und das auf eigene Rechnung und Gefahr. Breuker richtete sein Augenmerk über die Interessen des Bauernstandes hinaus auf die soziale Gerechtigkeit für alle. Das brachte ihm nicht nur Freunde. Wegen seines Eintretens für die Interessen des Bauernstandes in der von ihm geleiteten Zeitschrift wurde er wegen Pressevergehens vor das preußische Gericht zitiert und zu Gefängnishaft verurteilt.

Als Johann Breuker am 15. Juni 1885 im Alter von 68 Jahren in Kirchhellen starb, war der Westfälische Bauernverein zu einer festen und erfolgreichen Einrichtung geworden. Der „Bauer und Redakteur aus Kirchhellen“, wie er sich selbst nannte, bleibt in Erinnerung als ein bekannter Sozialreformer, ein Vorkämpfer für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Verhältnisse, einer der bedeutendsten westfälischen Bauernführer, Vizepräsident des Westfälischen Bauernvereines, Redakteur und eigener Verleger, der in besonderer Weise an den gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts beteiligt war.