Der Bahnhof Kirchhellen

Der Verein für Orts- und Heimatkunde erzählt uns seine Geschichte

Heute halten in der Dorfmitte keine Züge mehr, doch das war einmal anders. Gemeinsam mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen sehen wir uns die Geschichte der Eisenbahn in Kirchhellen einmal genauer an.

Am 1. Juli 1879 wurde die Bahnstrecke Duisburg – Oberhausen – Kirchhellen – Rheine fertiggestellt und eröffnet. Der erste Bahnhof Kirchhellens lag allerdings gar nicht in Kirchhellen, sondern in Gladbeck. Wo damals der Bahnhof war, verläuft heute die A 31. Die Lage des ersten Kirchhellener Bahnhofs zwischen Gladbeck und Kirchhellen wurde wohl so gewählt, um für die Bewohner beider Orte erreichbar zu sein, denn zu dieser Zeit mussten viele Arbeiter noch Fußwege von zehn Kilometern und mehr zu ihrer Arbeit zurücklegen. Da spielte der Weg von ein paar Kilometern zum Bahnhof keine große Rolle.

20.000 DM für eine Verlegung

„Kurze Zeit nach seiner Eröffnung wurde der Bahnhof bereits schon wieder verlegt, weil er den Kirchhellenern zu weit draußen lag. Sie wünschten sich doch kürzere Wege“, erklärt Ferdinand Schmitz vom Verein für Orts- und Heimatkunde. Nachdem die Gemeinde Kirchhellen einen Zuschuss von 20.000 Mark gezahlt hatte, genehmigte das „Preußische Eisenbahnministerium“ die Verlegung des Bahnhofs in die Nähe des Dorfes. Der Umzug fand 1888 statt. Die Pünktlichkeit der Züge wurde zu dieser Zeit noch nicht so genau genommen, sodass die Abfahrtszeiten nicht auf die Minute genau angegeben wurden. Ferdinand Schmitz erklärt: „Wer mitfahren wollte, sollte mindestens eine Viertelstunde früher dort sein.“

Funkensprühende Ungeheuer

Ein Haus in der Nähe der Bahnstrecke zu besitzen, barg echte Gefahren: Die Lokomotiven waren damals noch Funkensprühende Ungetüme, dessen Funkenflug zu Häuserbränden führen konnte. Das passierte auch bei dem in der Nähe der Bahnstrecke liegenden Hauses Möhlen. Es brannte vollkommen aus und musste – natürlich mit größerem Abstand zur Bahnstrecke – neu errichtet werden. Im Zusammenhang mit dem Bau der Straßenbahnlinie Nummer 19 von Essen-Bredeney über Horst und Gladbeck nach Kirchhellen in den Jahren 1928 bis 1929, wurde die Eisenbahnlinie in Kirchhellen angehoben und mit einer Brücke über die Kirchhellener Straße geführt. Zuvor hatte die Linie hier höhengleich und mit Schranken gesichert die Straße von Gladbeck nach Kirchhellen gekreuzt. Nach der Anhebung der Bahn wurde im Sommer 1930 die Straßenbahnlinie 19 von Essen-Bredeney nach Kirchhellen eröffnet.

1943 errichtete man etwa in der Mitte zwischen den Bahnhöfen Bottrop-Nord und Kirchhellen ein Anschlussgleis zu dem geplanten Lager für ausländische Fremdarbeiter der Firma Krupp. Das Lager sollte in den Waldungen der Hohen Heide entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde um den Bahndamm hart gekämpft. Am 28. März 1945 schlugen auf einem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück nahe der Bahn 26 Granaten ein. Am nächsten Tag wurde die Stellung geräumt, da die Amerikaner weiter nördlich die Bahnlinie überschritten hatten und in den Rücken der Verteidiger vorstießen. Bei Kriegsende kam der Bahnbetrieb durch Brückensprengungen völlig zum Erliegen. 1946 wurde der Personenverkehr in Kirchhellen wieder aufgenommen, wobei zunächst Güterwagen für die Personenbeförderung genutzt werden mussten.

Ende der 1950er Jahre wurde der Verkehr in Kirchhellen eingestellt. Der Güterbahnhof wurde noch von Dorsten aus bedient. Der Verkehr von Oberhausen nach Rheine hatte einen neuen Weg über Bottrop Hbf. – Gladbeck-West – Feldhausen und Dorsten gefunden. Nach dem Tod des letzten Bahnhofwirts Anfang 1970 wurde auch die Bahnhofswirtschaft nicht wieder verpachtet. 1973 wurde schließlich auch das Bahnhofsgebäude abgerissen und die Gleise an der Hegestraße und dem Bahnhof Kirchhellen zurückgebaut.Heute steht auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofsgebäudes eine Pumpstation, die für die Kirchhellener Abwässer zuständig ist.