Von Madagaskar nach Kirchhellen

Mihantra aus Madagaskar absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugend-Kloster

Mihantra Rakotondrahaingo aus Madagaskar gefällt es richtig gut in Kirchhellen. Foto: Julian Schäpertöns

Das Leben hier in Kirchhellen ist für Mihantra Rakotondrahaingo ganz anders als in ihrer Heimat Madagaskar. Ruhiger, strukturierter, aber auch um einiges kälter. Seit mittlerweile anderthalb Jahren lebt die 25-Jährige im Dorf – und will Deutschland gar nicht mehr verlassen. Im Jugend-Kloster absolviert sie seit Januar ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Kirchhellen.online erzählt Mihantra, wie ihr neues Leben in Kirchhellen aussieht und was sie an Deutschland so fasziniert.

 

Mihantra lebt mit ihrer Familie in der Hauptstadt Madagaskars Antananarivo als sie 2015 eine Entscheidung trifft: Sie möchte nach Deutschland. Die Sprache und die Kultur faszinieren sie, dann beginnt sie Deutsch zu lernen. Im Januar 2016 packt Mihantra ihre Koffer, verabschiedet sich von ihrer Familie und landet als Au-Pair, eher zufällig, in Kirchhellen. Von dem Dorf, 8772 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, hatte sie vorher noch nie was gehört. Ein Jahr betreut sie bei ihrer Gastfamilie die Kinder, hilft im Haushalt und lernt Deutschland kennen. Doch nach dem Jahr möchte sie nicht gehen. Ihre Gastfamilie schlägt ihr vor, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendkloster zu machen. Und das absolviert Mihantra nun seit einem halben Jahr.

Hausdienste, kochen, Gruppenstunden und Gottesdienste vorbereiten – das sind nun ihre Aufgaben im Kloster. Besonders gefällt ihr die Arbeit mit Kindern und der Flüchtlingsfamilie. Zusammen mit den anderen beiden FSJlern Malte und Niko lebt sie im Kloster. Sie arbeiten gemeinsam, essen gemeinsam und verbringen ihre Freizeit gemeinsam. Aktiv nimmt sie am Klosterleben teil. Für Mihantra eine neue Erfahrung: „In meiner Familie in Madagaskar sind wir nur zu viert. Hier waren auf einmal so viele Menschen. Doch ich konnte mich schnell zurechtfinden.“ Natürlich vermisst die Madagassin ihre Eltern und ihren älteren Bruder. Flugtickets sind teuer und so ist es lange her, dass sie ihre Familie in die Arme schließen konnte. Trotzdem sieht sie ihre Familie und Freunde in der Heimat regelmäßig. „Wir skypen fast täglich und schreiben bei WhatsApp“, erzählt Mihantra.

Mihantra will in Deutschland bleiben

In Kirchhellen hat Mihantra schon viele Freunde gefunden. „Die Menschen hier sind nett, sehr strukturiert und pünktlich“, beschreibt Mihantra, wie sie die Deutschen wahrnimmt. In ihrer Freizeit spielt sie mit ihren Freunden Playstation, geht ins Kino oder fährt in größere Städte zum shoppen. Vor kurzem hat sie auch angefangen, Klavier zu lernen. Auch einen Deutschkurs besucht sie regelmäßig.

In einem halben Jahr endet ihr FSJ im Jugend-Kloster. Doch Mihantra hat noch nicht genug von Deutschland. Sie möchte Sozialpädagogin oder Sozialarbeiterin werden. Die Mitarbeiter im Jugend-Kloster unterstützen sie dabei. „Wir wollen, dass die FSJler nachdem sie fertig sind auch Anschluss finden“, sagt Ökonomin Hildegard Kückelmann. Ein Vorstellungsgespräch in Erfurt hatte Mihantra bereits. Jetzt heißt es abwarten.

 

von Julian Schäpertöns