Von der Gaststätte zum Café

Das Haus Pels in Kirchhellen feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag – Wir erzählen die Geschichte der Traditionsgaststätte

Das Team vom Café Haus Pels freut sich über das diesjährige Jubiläum. Foto: Julian Schäpertöns

Früher trafen sich die Männer des Dorfes im Haus Pels, um gemeinsam zu klönen und Karten zu spielen. Heute sind es überwiegend Frauen, die sich in den Räumlichkeiten treffen, um Kaffee zu trinken und Neuigkeiten auszutauschen. Das Haus Pels an der Schulstraße 70 hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. In diesem Jahr wird das Haus 200 Jahre alt.

Es ist der 10. November 1818, als Hermanus Pels den Gastwirtschaftsbetrieb in Kirchhellen eröffnet. Damals war es üblich, dass Bauern in ihrem privaten Wohnzimmer Gäste bewirten. Da früher die Hauptverkehrsstraße, der Dorstener Weg (heute: Schulstraße), entlang des Bauernhofs der Familie Pels führte, legten viele Händler, Handwerker oder Feldarbeiter einen Zwischenstopp im Haus Pels ein.

Die Idee zum beliebten Brezelfest wurde auch im Haus Pels geboren. Im September 1883 traf sich am Dienstag nach dem Schützenfest eine Gruppe Männer in der Gaststätte. Alle waren sie traurig, dass das Fest schon vorbei war und sie wollten weiter feiern. Unter ihnen war auch ein Bäcker, der erzählte, er habe einen alten Stuten, den er nicht verkauft hatte. Spontan hängten sie auf dem heutigen Parkplatz diesen Stuten an eine sechs Meter hohe Stange und versuchten ihn mit Steinen abzuwerfen. Erster König wurde der Anstreichermeister Franz Xanten, zu seiner Königin ernannte er Lisette Otterbeck. Aus dem bescheidenen Stutenfest entwickelte sich im Laufe der Zeit das große Brezelfest.

Das erste Brezelfest wurde im Haus Pels gefeiert. Foto: Privat

 

Anfang des 20. Jahrhundert wurde die neue Haupt­verkehrsstraße (heute: Münsterstraße) fertig gestellt und viele Reisende nutzten nun diesen Weg. Es folgten Jahre, wo es in der Gaststätte nicht mehr so gut lief und die Familie Pels diese Verluste mit der landwirtschaftlichen Arbeit ausgleichen musste. In dieser Zeit trennte man auch Gast- und Privaträume voneinander. Im Krieg blieb das Haus unversehrt. In den 1970er Jahren wurde neben dem Haus angebaut. Fertig gestellt wurde dieser Anbau 1972. Aus gesundheitlichen Gründen konnten Anna und Josef Pels, anders als geplant, in dem neuen Gebäude nie selbst eine Gastwirtschaft betrieben. Für acht Jahre wurde das Gebäude verpachtet. Dann stand die Gaststätte zwei Jahre leer. Und von 1982 an waren Alfred und Renate Zeller die Pächter. Bis 2014 war die Wirtschaft ein beliebter Treffpunkt zum Frühschoppen, für Stammtische und gesellige Kneipenabende. Nachdem Alfred und Renate Zeller sich zur Ruhe setzten, investierte die Familie Pels viel Zeit und Energie in eine Renovierung des Anbaus.

Haus Pels wird zum Café

Mit Susanne Lehrich-Jandewerth konnte 2016 eine Pächterin gefunden werden, mit der ein neues Konzept einzog. Die Gaststätte wurde zum Café. Von nun an stehen Torten und Kuchen klar im Fokus. Aber auch Gerichte aus früheren Zeiten der Gaststätte hat Susanne Lehrich-Jandewerth übernommen. So gibt es immer wieder Eintöpfe und auch der Stramme Max steht auf der Speisekarte. Auch die Einrichtung hat sich geändert im Vergleich zu früher. Ein gemütliches Sofa sowie Sessel sorgen im Café Haus Pels für das überzeugende Wohnzimmerambiente. Die stilvolle und zugleich charmante Einrichtung lädt zum Verweilen ein.  

„Die Frauen haben das Haus Pels im Sturm erobert“, berichtet die Pächterin. Hier trifft man sich nun zum Kaffeekränzchen in gemütlicher Runde. „Aber natürlich sind auch Männer willkommen“, sagt Susanne Lehrich-Jandewerth. In den zwei Jahren im Haus Pels haben sie und ihr Team sich gut eingelebt. „Ich bereue diesen Schritt nicht“, versichert sie. „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es so bleibt und die Gäste weiterhin gerne kommen.“

Am Sonntag, 30. September wird der 200. Geburtstag gefeiert. Von 9.30 bis 18 Uhr hat das Café geöffnet und einige kulinarische Höhepunkte warten auf die Gäste. So beginnt der Tag mit dem Frühstück „Haus Pels“. Den Sekt gibt es auf‘s Haus. „Am besten sollte man dafür rechtzeitig reservieren“, rät Susanne Lehrich-Jandewerth. Mittags werden herzhafte Kuchen angeboten und gegen Nachmittag können sich Gäste auf Waffeln und leckere Torten freuen.

von Julian Schäpertöns