Seltenes Urgetreide trotzt dem Klimawandel

Bäckerei Kläsener setzt auf das Urgetreide, das der Hof Overgünne in Kirchhellen anbaut – Emmer ist mineralstoffreich und für den Klimawandel gewappnet

Thomas Overgünne (l.) und Markus Kläsener mit dem Urgetreide. Foto: Privat

Die erste Ernte ist bereits eingefahren. Was für viele Kirchellener und Kirchhellenerinnen in den vergangenen Wochen als schwarzes Getreide ungewöhnlich erschien, war nichts anderes als das Urgetreide Emmer. Der Hof Overgünne hat in diesem Jahr zum ersten Mal neben dem Kirchhellener Dinkel auf einer Fläche von zehn Hektar das alte, schon fast in Vergessenheit geratene Urgetreide Emmer angebaut. Insgesamt gibt es in Deutschland nur wenige Landwirte, die auf lediglich 290 Hektar Emmer wachsen lassen.

„Die starken Unwetter in den vergangenen Tagen haben unserem Urkorn ziemlich zu schaffen gemacht, dass aufgrund der relativ starken Wuchshöhe im Vergleich zu heutigen Getreidesorten und durch die große schwere Ähre bei starkem Regen und Sturm schneller zum Abknicken neigt“, sorgte sich Thomas Overgünne noch vor einigen Wochen, „allerdings bietet der starke Spelz der Urkörner dem Korn auch einen natürlichen Schutz gegenüber den Witterungsbedingungen.“ Doch die Sonne Anfang Juli hat es wieder aufgerichtet und nachdem die Ernte nun eingefahren ist, muss das Getreide noch trocknen und wird dann gemahlen. Das Mehl verwendet die Bäckerei Kläsener für neue Brot- und Brötchenvarianten. Ähnlich wie beim Dinkel heißt es dann „Kirchhellener Urbrot“. „Unsere Emmer-Backwaren werden ab Oktober erhältlich sein. Zunächst muss das Korn noch von den Overgünne-Brüdern entspelzt und anschließend in der Grevenbroicher Mühle gemahlen werden“, freut sich Stephan Kläsener von der Familienbäckerei schon auf Emmer.


Emmer zeichnet sich durch einen nussig bis herzhaften Geschmack aus und eignet sich zur Herstellung von Brot, Vollkorngebäck und Teigwaren, aber auch von Bier. Auch aus ernährungsphysiologischer Sicht habe das Urkorn einiges zu bieten. Emmer ist ein sehr mineralstoffreiches Getreide. Im Vergleich zu herkömmlichem Wei­zen weist Emmer einen etwas höhe­ren Eisen- und Magnesiumwert und einen deutlich höheren Zinkanteil auf. Nicht nur im Hinblick auf gesunde Ernährung hat das Getreide Potenzial. Um biologische Vielfalt zu erhalten und alternative Kultur­pflanzen zu finden, die für den Klima­wandel gewappnet sind, werde vor allem der schwarze Emmer – eine Rarität mit schwarzem Spelz – künftig an Bedeutung gewinnen. Denn die dunkelblauen Pflanzenfarbstoffe (Anthocyane) schützen das Getreide besonders gut gegen UV-Strahlen.

Der Hof Overgünne fuhr das Emmer-Getreide am Kirchhellener Kletterpoth ein. Foto: Privat

von Gundis Jansen-Garz