Neue Welcome-Gruppe in Kirchhellen eröffnet

In den Räumen der ehemaligen Mütterberatung werden seit gestern (20.6.) Flüchtlingskinder zwischen 3 und 6 Jahren professionell betreut

Erzieherin Patricia Trosien ist von nun an erste Ansprechpartnerin und Vertrauensperson für die Kinder - Foto: Katrin Kopatz

Für Bottrop ist es die fünfte Einrichtung dieser Art von Welcome-Gruppe, für Kirchhellen die erste: Da Regelkindergartenplätze rar sind und Wartelisten lang, zudem ein besonderer Förderbedarf besteht, bewilligte das Land zwei Gruppen, in der jeweils fünf Kinder vormittags betreut werden. Innerhalb von 14 Tagen wurden die Räumlichkeiten dafür her- und eingerichtet, wobei auch ein Teil der Spendengelder, die der Verein Natürlich Kirchhellen gesammelt hat, zum Tragen kamen.

Vertrauen, Struktur und Regelwerke

Kinderlachen klingt aus den Räumen, Spielzeug verteilt sich über den Boden, die Atmosphäre ist fröhlich und gelöst. "Wir sind froh, dass wir hier diese Gruppe eröffnen konnten und unser Angebot auch gut angenommen wird", erklärt Welcome-Koordinator Michael Bier. In Zusammenarbeit mit der evangelischen Paulusgemeinde sowie der Flüchtlingshilfe Kirchhellen unter der Leitung von Marion Arlt, Werner Hüppe, Marion Enbergs und Magnus Thesing, haben sich zwei Fachkräfte gefunden, die fortan vormittags von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr zunächst fünf, dauerhaft zehn Kinder zum Spielen, Singen und Basteln animieren und damit "eben all das machen, was in den Kindergärten auch angeboten wird, mit dem Unterschied, dass die Eltern gerne in den Stunden anwesend sein können."

 

Denn neben dem spielerischen Aspekt geht es um Vertrauen, darum, die deutsche Sprache zu lernen, sich an Regeln und Strukturen zu gewöhnen. "Die Kinder sollen den Alltag kennenlernen, um später in der Schule oder bei Eintritt in den Regelkindergarten weniger irritiert zu sein", so der Projektleiter. Marion Arlt ergänzt: "In einer Gruppe mit 20 oder 25 Kindern würden sie derzeit noch zu große Schwierigkeiten haben, sodass dieser Weg für alle Beteiligten der beste ist." Mit Erzieherin Patricia Trosien ist eine geeignete Fachkraft gefunden worden, die ohne Berührungsängste, jedoch mit viel Geduld und Feingefühl die erste der beiden Gruppen betreut und sich auf die Arbeit mit den Familien freut.

Bedarf wird weiter wachsen

Um auf das Projekt aufmerksam zu machen, wurden die entsprechenden Familien schriftlich informiert. Vier Kinder, die im Kloster ihr vorübergehendes Zuhause gefunden haben und ein Kind vom Liboriweg in Feldhausen haben damit die Möglichkeit bekommen, sich hier von Beginn an einzubringen. Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder aber erklärt: "Um auch die anderen Familien mit ihren Kinder hier vor Ort zu erreichen, müssen wir sicherlich auch den persönlichen Kontakt suchen. Der Schriftweg ist für viele noch schwierig aufgrund der schlechten Deutschkenntnisse, aber momentan wäre es uns in Kirchhellen möglich, alle Kinder in den Gruppen unterzuringen." Bis zum Herbst werden vermutlich 20 bis 30 Plätze notwendig werden, "der Bedarf wird demnach steigen, sodass die Gruppen längerfristig geplant sind", erklärt Michael Bier. Zunächst laufen die Verträge für alle fünf Bottroper Gruppen nur bis zum 31.12.2016, doch man darf davon ausgehen, dass die Anschlussverträge für mehrere Jahre bewilligt werden.

Spendengelder kommen nun zum Einsatz

Bis zur gestrigen Eröffnung standen die Räume hinter der Bezirksverwaltungsstelle leer. Innerhalb von nur 14 Tagen wurden hier Möbel und Spielzeug angeschafft, Wände gestrichen und die Räume - laut Michael Bier übrigens "wirklicher Luxus" - kindgerecht hergerichtet. Um das zu realisieren trat auch Natürlich Kirchhellen mit einer Summe von 2.500 Euro ein. Der Verein hatte im Zuge des Holzhausbaus für Flüchtlinge im Herbst vergangenen Jahres zu Spenden aufgerufen und dabei die stolze Summe von 20.000 Euro zusammengetragen. "Das verschafft uns die Möglichkeit, bei Bedarf immer wieder Beträge bereitzustellen, was nun immer häufiger der Fall ist", erklärt Ludger Schnieder.

So wurde nicht nur das Spielzeug für die neuen Gruppen darüber finanziert (Fachkräfte und Mobiliar finanziert das Land NRW), es werden auch Tischtennisplatten am Liboriweg und Auf der Bredde angeschafft sowie Sprachkurse von dem Geld angeboten. Zudem bringen auch viele Dinge Kosten mit sich, die nicht direkt sichtbar sind wie Getränke oder Transporte sowie Benzin - ebenfalls abgedeckt über das Spendenkonto. Und auch in eine weitere Maßnahme zur Integration der Flüchtlingsfamilien ist investiert worden: Die Bücherei Kirchhellen stellt einen Koffer bereit, der gefüllt ist mit Spielen, Büchern und Lernmaterial, das auf Kinder als auch Jugendliche zugeschnitten ist. Diese können sich entweder direkt in der Bücherei mit dem Koffer auseinandersetzen oder in den jeweiligen Welcomegruppen, die die Inhalte flexibel nutzen können.

Die Integration der Flüchtlinge in Kirchhellen schreitet also voran. Das Flüchtlingscafé ist immer noch zentrale Anlauf- und Austauschstelle und sorgt für einen groben Überblick über all die Angebote. Die Koordinatoren zeigen sich zufrieden: "Die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist immer noch groß, danke dafür!" Was aktuell noch gebraucht wird, sind Fahrräder, mit denen die Familien etwas mobiler unterwegs sind, um Einkäufe oder Behördengänge zu erledigen. Wer also noch eines zur Verfügung stellen kann und möchte, der meldet sich bitte einfach bei Magnus Thesing unter magnus.thesing@bottrop.de oder 02045-962926.

 

von Katrin Kopatz