In diesem Haus leben 81 Fledermäuse

Familie Kurschatke aus Kirchhellen bekommt vom NABU die Auszeichnung fledermausfreundliches Haus – damit sind sie Vorreiter in Bottrop

Die Familie Kurschatke lebt seit diesem Jahr mit 81 Fledermäusern unter einem Dach. Foto: Julian Schäpertöns / NABU (E. Grimmberger)

Als Anja Kurschatke den Kot auf ihrer Fensterbank entdeckt, muss sie zunächst an Mäuse denken. Doch sie irrt sich. Es war im Mai diesen Jahres als sie ihren Mann Stefan aus dem Garten rufen hört: „Das glaubst du nicht! Das musst du sehen!“ Draußen flattern zahlreiche Fledermäuse zu einem Hohlraum unter dem Dach zwischen Klinker und Isolierung. Dort haben sich die Säugetiere einen Unterschlupf eingerichtet. Die Kurschatkes freuen sich über ihre neuen Haustiere. Doch wie sie sich nun gegenüber ihren neuen Mitbewohnern verhalten sollen, wissen sie noch nicht. Mutter Anja recherchiert mit ihren beiden Töchtern Johanna (12) und Sara (8) im Internet. Dort stoßen sie auf die Seite des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Projekt „Fledermausfreundliches Haus“.

 

Das NABU-Projekt gibt es seit 2013. Ziel ist es, Fledermäusen ein sicheres Zuhause zu geben – das heißt sowohl alte Quartiere zu wahren als auch neue zu schaffen. Dies soll geschehen um die vom aussterben bedrohten Säugetiere zu schützen und wird vom NABU mit einer Plakette ausgezeichnet. „Fledermausfreundliches Haus“ steht darauf. Die Familie Kurschatke hat diese am Dienstagnachmittag von Claudia Verhoeks (NABU Bottrop) und Nadine Willius (Projektkoordinatorin) überreicht bekommen. Diese Auszeichnung soll an die Hauswand befestigt werden. Damit ist die Kirchhellener Familie die erste, die in ganz Bottrop diese Plakette bekommen hat. In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit knapp 400 fledermausfreundliche Häuser. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn nun viele Menschen es der Familie Kurschatke nachmachen und den Fledermäusen eine Bleibe gewähren“, sagt Claudia Verhoeks.

Unterschlüpfe werden zerstört

Blitzschnell sind die Fledermäuse nach der Jagd wieder in ihrem Quartier unter dem Dach. Foto: Privat

Denn der natürliche Lebensraum von Fledermäusen wird immer kleiner. Daher suchen viele längst in Städten und Dörfern eine neue Bleibe. Die heimischen Untermieter bleiben aber häufig unbemerkt, weshalb ihre Quartiere oft zerstört werden und die Tiere vertrieben oder sogar getötet werden. Auch durch Sanierungen an Häusern gehen Spalten und Ritzen verloren. „Es wird heutzutage jede Ritze zugemacht. Dadurch werden Unterschlüpfe zerstört“, erklärt Claudia Verhoeks. Ohne eine passende Bleibe, in der sie ungestört ihre Jungen aufziehen, überwintern oder einfach den Tag verschlafen können, ist ihr Überleben bedroht.

 

81 Fledermäuse hat die Familie Kurschatke bei sich gezählt. Die meisten sind Zwergfledermäuse, nur wenige Zentimeter groß. Dicht an dicht schlafen sie tagsüber in der kleinen Nische unter dem Dach. Nachts gehen sie dann auf Jagd. Natürlich nicht auf Menschenblut. Von denn 1000 Fledermausarten weltweit saugt nicht mal eine Hand voll Blut, in Deutschland gibt es keine Blutsauger. Die Tiere ernähren sich von Insekten. Praktisch, denn wer nachts von Stechmücken geplagt wird, dem könnte durch Fledermäuse im eigenen Haus geholfen werden. Eine Fledermaus kann nämlich in einer Nacht bis zu 4000 Mücken verspeisen.

Keine Angst vor Fledermäusen

Familie Kurschatke ist fasziniert von den kleinen Kobolden der Nacht. „Ich finde die richtig niedlich“, sagt Johanna Kurschatke. Doch viele Menschen in Deutschland haben noch Hemmungen gegenüber Fledermäusen. „Manche fühlen sich abgeschreckt, wenn sie daran denken, mit Fledermäusen unter einem Dach zu wohnen“, erzählt Claudia Verhoeks. „Denn viele wissen auch nicht, dass dadurch keine Nachteile entstehen und das man keine Angst haben muss.“ Auch für Familie Kurtschatke sind durch die neuen Bewohner keine Nachteile entstanden. „Ab und zu muss ich nur den Kot von der Fensterbank entfernen. Wir hören sie nicht, aber können sie in der Dämmerung beobachten“, erzählt Anja Kurtschatke.

 

Der NABU will weitere Menschen motivieren, Fledermäuse auch bei sich zu Hause wohnen zulassen. Mitmachen kann jeder, der bei sich schon Fledermäuse als Untermieter entdeckt hat, durch eine Baumaßnahme ein neues Quartier für Fledermäuse geschaffen hat oder einen Fledermauskasten bei sich aufstellen will. Für die kostenlose Plakette kann man sich dann beim NABU bewerben.
Weitere Informationen unter fledermaus-willkommen.de

 

Die neue Plakette kommt ans Haus. Foto: Julian Schäpertöns

von Julian Schäpertöns