70 Jahre Landjugend Kirchhellen

Zum Jubiläum gibt es eine Ausstellung über die KLJB und die Alten Herren der Landjugend im Heimathaus – Wir blicken auf die spannende Geschichte zurück

Die KLJB und die Alten Herren der Landjugend haben zusammen mit dem Heimatverein eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Foto: Julian Schäpertöns

Die KLJB (Katholische Landjugend Bewegung) wird in diesem Jahr 70. Viel ist passiert in dieser Zeit – doch das Wesen des Vereins hat sich in all den Jahren kaum verändert. Nils Hetkämper-Flockert, der jetzige Vorsitzende der Landjugend, sagt, das Besondere sei die große Gemeinschaft. „Alle sind füreinander da und haben Spaß an der Sache“, so der Kirchhellener. Hubert Hüsken und Rudolf Steinmann, deren aktive Zeit bei der Landjugend nun schon über 40 Jahre zurückliegt, stimmen dem zu. „Die KLJB war immer in der Lage, die jungen Menschen im Dorf zu integrieren und zusammenzubringen“, erklärt Hubert Hüsken. Nun feiert die Landjugend ihr großes Jubiläum mit einer Ausstellung im Heimathaus.

 

Die Gründungsmitglieder (v.l.) Aloys Kuhl­mann, Franz Steinmann, Aloys Haseke und Theo May. Foto: Privat

Es ist das Jahr 1948, als der Anstoß von der englischen Militärregierung kommt, dass die Verbände und Vereine, die durch die Nazis aufgelöst wurden, wieder ins Leben gerufen werden sollen. Zeitgleich fordert der Landwirtschaftliche Ortsverein in Person von Albert Schulze-Oechtering eine Rekonstruktion des früheren Jungbauernvereins. „Ich denke, nach dem Krieg war dies für viele Jungbauern eine Aufbruchszeit“, sagt Hubert Hüsken heute. Am 17. Februar 1948 treffen sich 18 Kirchhellener zur Gründungsversammlung. Als erster Vorsitzender wird Franz Steinmann gewählt. Aloys Kuhlmann, Aloys Haseke und Theo May komplettieren das Vorstandsteam. Nach der ersten Versammlung steigt die Mitgliederanzahl in kurzer Zeit auf mehr als 60 Personen an. Diese Zahl bleibt über viele Jahre in etwa konstant, steigt dann aber immer weiter an. Heute gibt es mehr als 300 Mitglieder.

Landjugend passt sich dem Zeitgeist an

Über viele Jahre ist die KLJB geprägt durch die Aus­richtung auf die berufsständischen Interessen und durch eine erkennbare konfessionelle Bindung mit dem Ziel, gemeinsame Anliegen gegenüber der Gesellschaft und der Kirche zu vertreten. Die Mitglieder entstammen im wesentlichem bäuerlichen Familien oder sind beruflich eng dahin orientiert. Auch im heutigen Vereinsemblem sind noch ein Pflug und ein Kreuz zu sehen – als Leitbild für Gebet und Arbeit. Doch die Gründungssätze, den Heranwachsenden aus der ländlichen Bevölkerung eine Lobby zu verschaffen, treten in den 1960er Jahren immer mehr in den Hintergrund. Die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen 70 Jahre und die strukturelle Entwicklung in der Landwirtschaft sind an der KLJB nicht spurlos vorbeigegangen. Einen starken Bezug zur Landwirtschaft haben heute nur noch wenige Mitglieder. Als Schwerpunkt hat sich die Landjugend gesetzt, ein attraktives Angebot für junge Kirchhellener zu schaffen.   


Seit der Gründung werden verschiedene Veranstaltungen und Ausflüge angeboten. „Feiern konnten wir auch in den 1970er Jahren schon gut“, erinnern sich Hubert Hüsken und Rudolf Steinmann. Doch neben den großen Parties bietet die Landjugend noch verschiedene Freizeitaktivitäten und übernimmt Verantwortung in der Gesellschaft. Es werden zusammen Sport, Ausflüge oder Kanutouren gemacht, aber auch gemeinsame Gottesdienste organisiert und Gräber und Denkmäler gepflegt. Das Programm passt sich dabei immer dem Zeitgeist an. „Wir hatten damals in den Wintermonaten immer Vorträge von Referenten, die uns zu einem Thema etwas erzählt haben“, weiß Rudolf Steinmann zu berichten. „Das gibt es heute nicht mehr“, sagt Nils Hetkämper-Flockert. „Dafür haben wir andere Aktivitäten.“     

Auch die Alten Herren der Landjugend feiern Geburtstag

Durch die Landjugend sind nicht nur viele Freundschaften entstanden. Auch manche Ehe zwischen Landjugend-Mitgliedern wurde geschlossen, wissen Hubert Hüsken und Rudolf Steinmann. Darüber hinaus hat die KLJB einen wesentlichen Anteil an der Neugründung von zahlreichen Clubs und Interessengemeinschaften. Beispiele dafür sind die Dörper Dansdeerns, der Traktoren-Veteranen-Verein und die Alten Herren der Landjugend. Die Alten Herren haben 2017 ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. Fast alle Angehörige der Gruppe waren ein mal Mitglieder der KLJB. „Wir wollten nicht, dass die schöne Zeit mit der Landjugend zu Ende geht“, erzählen die Gründungsmitglieder Hubert Hüsken und Rudolf Steinmann. Mit Ende 20 sind sie im Jahr 1977 zu Alt für die Landjugend. So kommt man zunächst im kleinen Kreis auf die Idee, als Alte Herren der Landjugend weiter die Gemeinschaft zu pflegen und sich sportlich zu betätigen. Die Geburtsstunde ist der 29. April 1977 in der Gaststätte Hackfurth. Nach und nach gesellen sich in der Anfangsphase Gleichgesinnte hinzu. Heute gibt es 25 Mitglieder. Neue werden allerdings nicht aufgenommen.

Die Alten Herren der Landjugend feierten 2017 ihr 40-jähriges Bestehen. Foto: Egon Maier

 

„Der Club setzt sich zur Aufgabe, die Geselligkeit und das heimatliche Brauchtum zu fördern und zu pflegen“, heißt es in der Satzung. Diese Ziele haben die Alten Herren in den vergangenen 40 Jahren nie aus den Augen verloren. Jedes Jahr gibt es unterschiedliche Anlässe, sich zu treffen und miteinander Spaß zu haben. Zum Beispiel nehmen die Alten Herren bis 1986 regelmäßig am Fußballturnier der Landjugend teil – mit unterschiedlichem Erfolg. Es ist auch im Jahr 1986, als die ehemaligen Landjugendmitglieder die Kaltblutstute Wilhelmine kaufen, die fortan bei Kirchhellener Festivitäten zum Einsatz kommt. Sie wird 22 Jahre.     

Neben dem Thema Kaltblutzucht hat eine andere Sache die Aktivitäten der Alten Herren über Jahre entscheidend geprägt: Die Kirchhellener Bauernolympiade. Als eine Art „Spiel ohne Grenzen“ findet an Pfingsten 1987 die erste Bauernolympiade auf dem Hof Steinmann statt. 13 Herrenmannschaften und sechs Damenteams nehmen an der ersten Veranstaltung teil. Bis 2004 organisieren die Alten Herren im Drei-Jahres-Rhythmus die Spiele. Erst dann wird das Olympiakomitee gegründet, das seitdem diese Tradition fortführt.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

„Es ist die Summe aller Dinge, die die Zeit bei der Landjugend und später bei den Alten Herren ausgemacht haben“, antwortet Hubert Hüsken auf die Frage, was für ihn die Höhepunkte in all den Jahren sind. Gemeinsam mit der jetzigen Generation der KLJB feiern die Alten Herren in diesem Jahr den runden Geburtstag.

Der aktuelle Vorstand der Landjugend freut sich auf die Eröffnung der Ausstellung. Foto: Privat

„Wir haben für den Herbst ein Jubiläumsfest geplant“, erzählt Nils Hetkämper-Flockert. Außerdem sei für Anfang April wieder eine Mottoparty angesetzt. Passend zum Ende des Bergbaus in der Region lautet das Thema „Zechenfete – Schicht im Schacht, wir saufen ab!“ Natürlich werden auch wieder das beliebte Sommerfest und das Oktoberfest zusammen mit dem VfB stattfinden sowie viele interne Veranstaltungen. Auch heute, 70 Jahre nach der Gründung, gehört die Landjugend in Kirchhellen immer noch zu den mitgliederstärk­sten und bedeutendsten Jugendorganisationen vor Ort. Und das soll auch in Zukunft so sein.

 

Ausstellung im Heimathaus ab dem 4. März

Ein Höhepunkt in diesem Jahr ist die Ausstellung im Heimathaus Kirchhellen. Zusammen mit dem Heimatverein haben die Landjugend und die Alten Herren hier zahlreiche Ausstellungsstücke zusammengetragen. Alte Plakate, Vorstandsbilder, Videos und Fotos, Programme, Banner und Fahnen werden der Öffentlichkeit präsentiert. „Wir als Heimatverein freuen uns, dass wir allen Bürgern wieder eine interessante Ausstellung zeigen können“, betont Peter Pawliczek, 1. Vorsitzende des Heimatvereins. Ab Sonntag, 4. März können die Besucher hier die Geschichte der Landjugend hautnah erleben. Geöffnet hat die Ausstellung an jedem Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr. Bis zum 6. Mai läuft die Ausstellung im Heimathaus, Wellbraucksweg 2-4.
Für die Ausstellung hat die KLJB viele Stücke zusammengetragen. Foto: Julian Schäpertöns

von Julian Schäpertöns