Gutes von nebenan

In und um Kirchhellen sind zahlreiche Höfe ansässig, die uns mit erntefrischen und lokalen Produkten versorgen – Trotz schwieriger Witterungsverhältnisse in bester Qualität

Bis Mitte Oktober kann man noch selbst Äpfel pflücken. - Foto: Daniel Böhm

Wir alle haben schon viel über Greta Thunberg gelesen und gehört. Und über den Klimawandel und die damit verbundenen, drohenden Konsequenzen. Und viele fragen sich: Was kann ich selbst tun, um der Umwelt zu helfen? Wir haben einen Vorschlag: Lebensmittel lokal einkaufen. Denn das funktioniert insbesondere bei Obst, Gemüse, Eiern oder Milch hier in Kirchhellen besonders gut. Die ansässigen Höfe bieten viele Möglichkeiten, sich mit erntefrischen, saisonalen Produkten auszustatten.

Die Hofläden sind fast täglich geöffnet, bei Umberg beispielsweise können Kunden auch auf den Feldern selbst pflücken – aktuell sind es Äpfel, die darauf warten, geerntet zu werden, doch auch die Erd- und Himbeeren haben in den Sommermonaten bereits zahlreiche Menschen aus Kirchhellen und Umgebung angelockt. Auch wenn Jörg Umberg – ebenso wie seine Kollegen – mit den Tücken der Natur zu kämpfen hat, bleibt die Qualität der Erträge hoch. Dieses Jahr war es erneut über anhaltende Phasen sehr heiß und trocken. „Das führt insbesondere in den unteren Bodenschichten zu einer Trockenheit, die sich ganz klar negativ auf die Ernte auswirkt. Hier mussten wir schon zusehen, dass die Ausfälle nicht zu groß werden. Geschmacklich jedoch waren keine negativen Einflüsse erkennbar.“

Ressourcen schonen

Trockene Böden waren das eine, Sonnenbrand beim Baumobst das andere Phänomen. „Sonnenverbranntes Obst können wir eigentlich gar nicht anbieten, es ist kaputt. Wassermangel führt dazu, dass die Früchte kleiner werden, was wir im Hochsommer bei den Erdbeeren bemerkt haben. Dennoch sind wir mit der Qualität unserer Produkte sehr zufrieden.“ Um nicht in die nächste Umweltfalle zu tappen und der Trockenheit mit Unmengen an Wasser entgegenzutreten, hat sich Jörg Umberg für ein Bewässerungssystem entschieden, dass kleinere Mengen direkt an die Wurzeln gibt. „So sparen wir Ressourcen, was uns auch besonders wichtig ist.“ Auch der Anbau von Obst und Gemüse in geschützten Tunneln erfährt seitens der Kunden immer mehr Zuspruch, wie der Obst- und Gemüsebauer erfahren hat: „Sie sehen langsam die Vorteile des Ganzen, auch wenn es zunächst ungewohnt aussah. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, die Leute auch in den Tunneln selbst pflücken zu lassen, damit sie merken, dass die Früchte hieraus genauso aromatisch und frisch sind, wie die ohne Tunnel. Sie können bloß besser reifen, ohne von Starkregen, anhaltendem Frost oder zu viel Hitze zerstört zu werden.“ Wer frisch und saisonal einkaufen möchte, darf sich gerne im Hofladen auf Hof Umberg umschauen. Hier sind montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 8.30 Uhr bis 14 Uhr neben Obst und Gemüse auch weitere Produkte erhältlich, aus denen sich gesunde und ausgewogene Mahlzeiten zubereiten lassen – ohne schlechtes Gewissen wegen unnötiger Transportwege, umweltbelastender Lagerung oder starker Belastung, um die Produkte haltbar zu machen. Und wer mag, pflückt einfach selbst: Täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr sind noch bis Mitte Oktober Apfelsorten wie Fuji und Braeburn zu haben.

Eier von glücklichen Hühnern

Zwar nicht zum Selbstpflücken, doch trotzdem lokal angebaut, geerntet und verarbeitet ist das Gemüse aus Miermanns Scheune. Hier dürfen sich Kunden derzeit auf saisonales Gemüse wie Kartoffeln, Wirsing, Grünkohl, Kohlrabi oder Kürbis freuen. „Bei uns finden Sie viele leckere und landfrische Bauernhof-Produkte zum Mitnehmen. Diese stammen entweder aus eigener Herstellung oder direkt aus der hiesigen Umgebung“, erklären Angelika und Johannes Miermann. Auch sie haben trotz klimatischer Schwierigkeiten hochwertiges Obst und Gemüse ernten können, dass Frische-Liebhaber montags bis freitags zwischen 9 Uhr und 18 Uhr und samstags zwischen 9 Uhr und 14 Uhr im hofeigenen Laden kaufen können. Doch bei Miermann sind nicht nur Obst- und Gemüsesorten erhältlich, man kann ebenso selbst gebackenes Schwarz- oder Körnerbrot, Stuten oder das ofenfrische Rosinenbrot bekommen. Selbst eingelegte Gurken, rote Bete oder die beliebten Fruchtaufstriche mit dem beerigen Geschmack erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. „Wir bieten aber auch frische Eier aus unserem Hühnermobil an, die jeder im Hofladen kaufen kann“, freut sich das Miermann-Team. „Dieser Stall ist für unsere Hühner ideal, denn er ist, wie der Name sagt, mobil. Das lieben unsere bewegungsfreudigen Hühner und halten sich gerne den ganzen Tag im grünen Gras auf.“ Die Tiere werden also artgerecht gehalten, können picken und scharren oder Sand- und Sonnenbaden. Sobald die eingezäunte Grünfläche abgefressen ist, zieht der mobile Hühnerstall auf die benachbarte frische Grasfläche um. Jeden Abend kehren die Hühner in ihr Hühnermobil zurück. Sie finden in diesem Stall alles, was Hühner brauchen: Sitzstangen zum Schlafen, Futter, Wasser sowie eigene Bereiche zum Eierlegen und Picken. Das spiegelt sich auch in der Eierqualität wieder. Somit dürfen sich die Kirchhellener ihr Frühstücksei gerne auch von Kirchhellener Hühnern holen und kommen damit nicht nur der Umwelt entgegen, sondern auch dem Tierwohl.

Den Witterungsverhältnissen anpassen

Von ausgetrockneten Böden und sonnenverbrannten Früchten kann auch Eberhard Schmücker berichten, der aber ebenso wie Jörg Umberg zuversichtlich in die Zukunft blickt und erklärt: „Wir müssen uns eben auch in den kommenden Jahren auf veränderte Temperaturen und Niederschläge einstellen. Das geht dann zwar mit Ernteausfällen einher, aber das, was wir ernten und anbieten, ist dennoch von sehr guter Qualität.“ Somit bietet auch der Schmücker Hof Plantagen zum Selberpflücken an, aktuell sind noch Äpfel und Birnen direkt vom Baum zu haben. Das Schmücker-Team hat sich ebenfalls schon vor einigen Jahren für die Tröpfchen-Bewässerung entschieden, um gezielt die Wurzeln der Pflanzen mit Wasser versorgen zu können, doch was bleibt, ist der Hitzestress, dem die Pflanzen ausgesetzt sind: „Das bedeutet, dass sie natürlich Flüssigkeit bekommen, aber das Blattwerk nicht gegossen und damit nicht gekühlt wird. Auf längere Sicht schadet das den Bäumen, die sich nicht so einfach davon erholen können.“ Doch dürfe man auch den positiven Einfluss der Sonne nicht vergessen, die für viel Geschmack und Süße sorgt. Schmücker: „Verregnete Sommer haben da schon viel mehr Schaden angerichtet. Doch mittlerweile wissen wir mit allen Witterungsbedingungen umzugehen. Auch, wenn es immer sehr anspruchsvoll für das gesamte Team ist.“
Neben Obst und Gemüse aus eigenem Anbau bietet der Schmücker Hof aber natürlich noch vieles mehr zum Verkauf im eigenen Hofladen an. Da wären frisch gepresste Säfte und selbst gemachte Marmeladen. Dauerrenner sind zudem Fleisch- und Wurstwaren sowie Forellen aus nahe gelegenen Betrieben, mit denen schon seit vielen Jahren eine Kooperation besteht. „Hier wissen wir, dass die Produkte einwandfrei und bestens kontrolliert sind. Von daher bieten wir sie gerne hier in unserem Namen an.“
Wer sich ein Bild machen möchte über das Angebot in Schmückers Hofladen, der darf sich gerne täglich zwischen 8.30 Uhr und 18 Uhr dort umschauen.

Für ein gutes Gewissen

Kirchhellen hat also eine relativ große Auswahl an Produkten zu bieten, die frisch und direkt von nebenan zu haben sind. Neben Miermanns Scheune, Schmücker Hof und Hof Umberg sind noch zahlreiche weitere Landwirte hier vor Ort zu finden, bei denen Geflügel, Eier, Fleischwaren und Milch erhältlich sind. Es lohnt sich also, für den einen oder anderen Einkauf von Frischeprodukten nicht nur den Supermarkt, sondern auch einen Hofladen anzufahren und sich mit Lebensmitteln einzudecken. Damit unterstützt man nicht nur die ansässigen Landwirte, sondern auch die Umwelt und vielleicht das eigene Gewissen.

von Katrin Kopatz