Erleben, verstehen, wünschen

Kinder begreifen das wichtigste Fest des Kirchenjahres noch nicht, lieben aber die Traditionen drumherum

Foto: Katrin Kopatz

Winterzeit ist Weihnachtszeit. Eine Zeit des Friedens, der Vorfreude, der wundervollen Geheimniskrämerei. Für Erwachsene gewiss auch sehr anstrengend und mit viel Organisation verbunden, leuchten Kinderaugen in diesen Tagen jedoch besonders hell: Das Warten auf den Nikolaus und das Christkind ist zwar ein Geduldsspiel für sich, doch zu keiner anderen Jahreszeit ist so viel Ablenkung gegeben, wie jetzt!

Wir haben uns deshalb auf den Weg in die evangelische Kindertagesstätte an der Gartenstraße gemacht, um dort Kindern und Erziehern beim Singen, Basteln und Malen über die Schulter zu blicken. Zudem wollten wir erfahren, was für die Kleinen Weihnachten bedeutet und ob sie wissen, warum wir das Fest überhaupt feiern.

 

Viele Süßigkeiten

„Die Adventszeit ist sehr wichtig für die Kinder. Sie merken, dass ganz viel passiert: Plätzchen backen zum Beispiel, Kerzen anzünden, Wohnungen und die Gruppenräume hier in der Einrichtung schmücken“, erklärt Mirjam Pfister, seit 2014 Erzieherin im evangelischen Kindergarten. „Es wird ihnen also bewusst gemacht, dass es sich um ein besonderes Fest handelt, was da kommt, ohne jedoch wirklich zu verstehen, warum.“ So haben die jüngeren Kinder zunächst den gut bestückten Adventskalender im Sinn, wenn sie nach der Weihnachtszeit gefragt werden. „Hmmm, ich freue mich schon auf die Schokolade“, sagt die vierjährige Elise. „Und die Plätzchen!“, wirft die gleichaltrige Nele mit ein. „Ich esse die immer sofort auf“, verrät Max und alle kichern. Ein Gekicher, das sich nun bis Ende Dezember hinziehen wird, denn die Aufregung steigt, kleine Geheimnisse liegen in der Luft.

Sterne basteln und die Weihnachtsgeschichte lesen: die Vorbereitungen aufs Fest laufen. Foto: Katrin Kopatz

Zeit für Ruhe und Zusammensein

Das Erzieher-Team sieht seine Aufgabe während der kommenden Wochen auch darin, die Kinder aufzufangen und ihnen Raum zu geben für Ruhe und Entspannung. Einfach mal hinsetzen, heißen Kakao trinken und ein Weihnachtsbuch lesen. Das kommt heutzutage in den Familien manchmal zu kurz. „Viele Eltern sind voll berufstätig, da sind die Wochenenden oft voll gepackt mit Weihnachtsmarktbesuchen, Freunden treffen oder Besuchen bei Verwandten“, erklärt Bernd Okunneck. Montags bemerke man häufig, wie aufgedreht manche Kinder seien. „Da ist etwas Gemütlichkeit zum Ausgleich gar nicht so schlecht.“ Zudem ist das natürlich eine tolle Gelegenheit, den Drei- bis Sechsjährigen die Weihnachtsgeschichte näher zu bringen. Jedes Jahr wird sie vorgelesen und gerne von den Mädchen und Jungen nachgespielt. „Eine einfache Decke reicht, schon wird aus einem Kind die Maria“, so Bernd Okunneck. Das können dann auch diejenigen spielen und verstehen, die sonst noch keine wirkliche Vorstellung davon haben, was für ein besonderer Geburtstag da überhaupt gefeiert wird am 24. Dezember.

 

Foto: Katrin Kopatz

Traditionen pflegen

Die Vorschulkinder haben da schon eine genauere Ahnung: „Wir freuen uns an Weihnachten, dass Jesus geboren wird“, weiß die fünfjährige Pauline. Zudem kennen sie und ihre Freundinnen Clara, Leonie und Frida auch bereits eine Krippe, die heiligen drei Könige und Maria und Josef. „Die waren alle mit im Stall. Und der Stern war auch da“, erzählt Frida. „Man sieht, es ist schon wichtig, jedes Jahr die Geschichte zu wiederholen, damit die Kinder sie nach und nach verstehen lernen“, erklärt Mirjam Pfister. Ohnehin legt man im evangelischen Kindergarten Wert auf Tradition: In allen fünf Gruppen steht ein Adventskranz, um den herum nach jedem Adventssonntag gesungen und eine Kerze entzündet wird. Gemeinsames Adventsbasteln, ein Christbaum im zentralen Bereich der Einrichtung, alles ist dabei. „Der Nikolaus nimmt auch unsere Socken mit und dann legt er was rein“, erzählt Filipa freudestrahlend. So gibt jedes Kind bis Ende November eines seiner Strümpfe ab und bekommt am 6. Dezember eine kleine Überraschung zum Auspacken.

 

Christkind oder Weihnachtsmann?

Dass der Nikolaus nicht einfach da ist und Socken sowie Stiefel befüllt, sondern einst ein Bischof war, der seinen Besitz großzügig an Bedürftige gab, ist für Kindergartenkinder wenig interessant. Viel zu abstrakt sind all die Dinge, die so unglaublich weit in der Vergangenheit liegen. Und noch viel verwirrender ist folgendes: Der Nikolaus kommt und beschenkt die Kinder, das Christkind ebenfalls. Aber auch der Weihnachtsmann. „Der läuft manchmal durch die Stadt und verteilt was“, ist sich Leonie sicher. „Nee, der Weihnachtsmann ist doch der Nikolaus“, meint es Clara zu wissen. „Oder?“ So richtig einig werden sich die Mädchen und Jungs hier nicht. Die Frage nach dem Knecht Ruprecht ist da schon eindeutiger beantwortet, nur ein Kind kennt ihn: „Der kommt, wenn Kinder böse sind. Aber nur wenn Weihnachten ist.“ Ansonsten scheinen die Eltern den schwarz bemalten Mann mit der Rute wohl einfach zu verschweigen. Und noch etwas beschäftigt die Mädchen und Jungen in der Kita, wie der vierjährige Tom zusammenfasst: „Das Christkind muss allen Kindern in ganz Deutschland was bringen!“ „Wie kann das denn all die Geschenke tragen?“, fragt sich Nele. Zum Glück haben die Erzieher für alle Fragen eine passende Antwort parat, die die Neugierde befriedigt und – viel wichtiger – den Mythos rund ums Geschenkeverteilen aufrecht hält.

 

 

Musik für die richtige Stimmung

Was die von uns befragten Mädchen und Jungen am meisten an der Weihnachtszeit schätzen ist aber das, was es im restlichen Jahr nicht gibt: Sie finden es super, Kerzen anzünden zu dürfen, den Baum mit zu schmücken (Elise: „Ich darf die Sternschnuppe ganz oben auf den Baum machen, obwohl die aus Glas ist!“), Spritzgebäck zu machen oder Omas und Opas zu besuchen, die sie sonst nicht so häufig sehen. Vor allem aber lieben sie alle offenbar Weihnachtslieder. Kaum nach dem Lieblingslied gefragt, fangen die Mädchen an „In der Weihnachtsbäckerei“ zu singen. Auch „Kling Glöckchen“ und „Lasst uns froh und munter sein“ sind auf der Hitliste recht hoch angesiedelt. „Mit Musik erreicht man Kinder immer. Deswegen lassen wir auch gerne morgens schon Weihnachtslieder laufen, um die richtige Stimmung zu erzeugen“, erklärt Mirjam Pfister.

 

Weihnachtslieder singen ist eine lieb gewonnenes Ritual in der Weihnachtszeit. Foto: Katrin Kopatz

Kinder genießen die Weihnachtszeit also. Sie stecken voller Vorfreude, Erwartungen und Tatendrang. Ganz wichtig ist aber vor allem eines: die Geschenke. Und was sich die Kleinen dieses Jahr wünschen, verraten sie natürlich auch:

 

 

 

Pauline, 5 Jahre:

„Ich möchte eine Puppe, die man schminken kann. Und dann noch was Neues für meine Spielküche.“

 

 

Filipa, 4 Jahre:

„Zu Weihnachten wünsche ich mir ein braunes und und ein weißes Pferd zum Spielen und zwei Puppen.“

 

Nele, 4 Jahre:

„Ich wünsche mir einen Kinderlaptop und ein Buch und eine Puppe.“

 

 

 

Leonie, 5 Jahre:

„Ich wünsche mir einen kleinen weißen Hund mit einer rosa Schleife.“

 

 

 

 

Max, 4 Jahre:

„Ich wünsche mir einen Bagger. Aber einen großen.“

 

 

 

Frida, 5 Jahre:

„Das Christkind soll mir ein Tablet bringen und eine Puppe, die ich schminken kann.“

 

 

 

Elise, 4 Jahre:

„Ich wünsche mir ein Bibi Blocksberg-Spiel, einen Wohnwagen, ein Spielhaus und Pferde.“

 

 

 

Clara, 5 Jahre:

„Ich wünsche mir am liebsten ein Walkie-Talkie.“

 

 

 

Tom, 4 Jahre:

„Ich hab schon alles von Paw Patrol, aber ich wünsche mir zu Weihnachten noch mehr.“

 

 

Also dann, liebes Christkind, bitte alles einpacken und auf den Weg nach Kirchhellen schicken.

von Katrin Kopatz