Ein lebendiges Kunstwerk

Landfrauen legen zum 15. Mal den Erntedank-Teppich in der St. Johannes Kirche Kirchhellen

In diesem Jahr haben sich die Landfrauen das Motiv vom guten Hirten ausgesucht. Auch der Abschied vom Bergbau findet sich im Bild wieder. Foto: Julian Schäpertöns

„Innehalten und bewusst werden, wie gut es uns eigentlich geht – dafür ist der Erntedank-Teppich gedacht“, erzählt Bärbel Nothelle, Vorsitzende der Kirchhellener Landfrauen. Auch im 15. Jahr beobachtet sie es, dass viele Menschen in die St. Johannes Kirche kommen, um sich den kunstvollen Erntedank-Teppich anzuschauen. Auch viele Menschen von außerhalb kommen extra nach Kirchhellen. „Manche machen sogar Früchte-Teppich-Hopping und besichtigen an einem Tag mehrere Kunstwerke in der Region“, weiß Bärbel Nothelle. Bis zum 14. Oktober kann das diesjährige Motiv in der Kirche noch begutachtet werden.

 

Der Sommer in diesem Jahr war heiß und trocken – und bereitete den hiesigen Landwirten Bauchschmerzen. Doch trotz geringer Ernte als sonst musste niemand Hunger leiden. Und es blieb auch noch genug für die Kirchhellener Landfrauen, um den mittlerweile 15. Erntedank-Teppich zu legen. Als Motiv hatten sich die Landfrauen den guten Hirten ausgesucht. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen“ steht als Leitspruch unter dem Bild. Mehr als 50 verschiedene Früchte, Getreidearten, Nüsse und Blumen haben die Landfrauen für das Bild verwendet. In neun Stunden haben zehn Frauen das aufwendige Bild gelegt. Dabei ist Teamwork gefragt. „Jede Frau arbeitet parallel an einem kleinen Teil des Bildes“, weiß Bärbel Nothelle. Hierbei ist vor allem Fingerspitzengefühl nötig. „Das schwierigste sind immer die Gesichter.“

 

Auch das Ende des Bergbaus findet sich im großen Bild wieder. „Die Idee kam uns spontan“, berichtet Bärbel Nothelle. „Am Morgen als wir den Teppich gelegt haben sind wir noch los gefahren, um Kohle zu besorgen.“ Der Bergmannsgruß „Glück auf“ und ein Förderturm wurde in das Bild eingearbeitet. Die Materialien, aus denen das Bild besteht, stammen übrigens von Bauern aus der Region oder dem eigenen Garten. Obst und Gemüse, das in den nächsten zwei Wochen faul wird, wird von den Landfrauen soweit wie möglich ausgetauscht. „Hier in der Kirche ist es ja zum Glück recht kühl“, sagt Bärbel Nothelle. Trotzdem ist es ein lebendiges Kunstwerk und wenn zum Beispiel die Birnen am Rand braun werden, werden diese ersetzt. Nach dem 14. Oktober werden die Lebensmittel aber nicht weggeschmissen. Die noch essbaren Ernteerträge gehen an die Bottroper Tafel, das Getreide bekommen die Jäger.

 

Von 8 bis 18 Uhr kann der Teppich täglich bis zum 14. Oktober besichtigt werden (Seiteneingang nehmen). Auch in diesem Jahr werden Spenden gesammelt. In diesem Jahr kommt das Geld dem Friedensdorf Oberhausen zu Gute. Am 3. Oktober wird um 10.30 Uhr eine Messe auf dem Hof Strangemann, Repeler Weg 21 stattfinden. Organisiert wird diese Messe von den Landfrauen, der Landjugend und dem Landwirtschaftlichen Ortsverein. Dort wird auch wieder die Minibrotaktion stattfinden. Am 7. Oktober findet um 11 Uhr der Erntedank-Gottesdienst und die Festmesse zum Erntedank und zum 70-jährigen Jubiläum der KLJB Kirchhellen in der St. Johannes Kirche statt.

von Julian Schäpertöns