Ein Buch vom Leben geschrieben

Das Leben steckt voller Geschichten. Eine davon erzählt Kirchhellenerin Katrin Pirc in ihrem Buch "Gottes Handwerk - Das Wunder meines Lebens".

Die junge Mutter verlor in all den schwieirigen Monaten nie ihr Lächeln - Foto: Privat

Katrin Pirc wünscht sich eine Familie, doch das Schicksal schlägt gleich mehrfach zu. Um heute ihren Sohn unbeschwert aufwachsen sehen zu können, mussten sie und ihr Mann vieles ertragen. Ihre Gedanken und die Geschichte dazu hat die 35-Jährige nun veröffentlicht und sagt: "Dieser Wahnsinn musste einfach in Worte gefasst werden."

 „Heute kann ich sagen, dass ich als Mutter über mich selbst hinausgewachsen bin. Damals habe ich eigentlich nur funktioniert und versucht alles irgendwie zu überstehen“, erzählt Katrin Pirc mit nachdenklichem Blick. Die Kirchhellenerin spricht von den schwierigsten Phasen ihres Lebens. Von einem lange Zeit unerfüllten Kinderwunsch, einer körperlich und seelisch anstrengenden Hormonbehandlung bis hin zur künstlichen Befruchtung. Dann endlich die Nachricht: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“ Doch statt Freude und lang ersehnter Familienharmonie kommt alles ganz anders.

 

„Von Beginn an war die Schwangerschaft holprig. Mir ging es nicht gut und es fühlte sich mit Voranschreiten der Wochen ein Stück weit falsch an“, so die 35-Jährige. „Und als ich dann nach knapp der Hälfte der Schwangerschaft plötzlich Wehen bekam und niemand Überlebenschancen für meinen Sohn sah, dachte ich: Das ist die Quittung, wenn man in Gottes Handwerk pfuscht.“ So fand sie sich in der 23. Schwangerschaftswoche im Krankenhaus wieder. In einen Kreißsaal, der übervoll war mit Hebammen, Schwestern, Ärzten – und dem Glauben, ihren Sohn beerdigen zu müssen. Aber nein: Ihr Kind überlebt. Es kommt mit gerade einmal 480 Gramm Gewicht und einer Körpergröße von 27 Zentimetern auf die Welt. Das Gefühlschaos im Inneren seiner Eltern kann wohl kein Mensch nachvollziehen, der es nicht selbst erlebt hat. Gefühle, die die Kirchhellenerin zu Papier brachte. Eigentlich nur für sich, um alles zu ordnen, Luft zu lassen und ihrem Sohn später vielleicht an diesen Momenten teilhaben zu lassen.

„Nicht jeder hatte Verständnis“

Der kleine Mann entwickelte sich – allen anderen Vorhersagen und Erfahrungen zum Trotz – vollkommen normal. Keine körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. Er verbrachte die ersten Lebensmonate auf der Intensivstation. Ausgeprägter Körperkontakt war lange nicht möglich: Die Haut war noch nicht ausgereift und hätte bei jeder streichelnden Berührung verletzt werden können. Das Schlimmste schien nach mehreren Monaten überstanden: „Doch selbst als wir endlich mit dem Kleinen Zuhause waren, konnten wir kein normales Familienleben führen. Er musste nach wie vor an medizinische Geräte angeschlossen werden. Wir waren Dauergast beim Kinderarzt und haben größere Menschengruppen gemieden. In dieser Zeit veränderte sich auch der Kreis an Menschen, die uns bislang wichtig gewesen waren, denn nicht jeder hatte das notwendige Verständnis für unsere Situation.“ Erst nach einem knappen Jahr konnten Katrin Pirc und ihr Mann Thomas endlich durchatmen.

Es folgte die nächste Schreckensnachricht

Es schien Alles perfekt, aber leider nicht lange. Kurz vor dem ersten Geburtstag schlug der nächste Schicksalsschlag zu: Katrin Pirc tastet eine Beule am Bauch ihres Sohnes. Die baldige Diagnose folgte und war niederschmetternd: Krebs. „Der Lebertumor hatte einen Durchmesser von neun Zentimetern und füllte bereits den gesamten Bauchraum aus.“ Nun zeigte das kleine Kind erneut wahren Kämpfergeist, überstand die Chemotherapie und eine schwere Operation, die auch für die Ärzte im Uniklinikum Münster nicht zur Routine gehörte. Wieder mussten Katrin und Thomas Pirc um ihren Sohn bangen. Wieder standen fünf Monate des Familienlebens im Schatten einer schrecklichen Diagnose. Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte bestimmten erneut den Alltag. Und wieder verlief alles ungewöhnlich glimpflich. „Das war Wahnsinn“, fasst die Mutter es in einem Wort zusammen.

Kein Ratgeber, sondern ein Buch, das jedem Mut macht

Foto: privat

Anfang April feierte die kleine Familie den fünften Geburtstag ihres Sohnes, der nach dem Sieg über den Krebs wie alle anderen Kinder ein normales Leben genießt, den Kindergarten besucht und sich ohne Einschränkungen mit Freunden treffen und Hobbys ausleben kann. Katrin Pirc schrieb weiter ihre Gedanken nach dieser Leidenszeit nieder. Das war ihr persönliches Ventil mit dem Erlebten umzugehen. Ein Erlebnis, das heute jeder teilen kann, denn – ohne dass es je ihr Ziel war – entstand aus den vielen beschriebenen Seiten ein Buch mit dem Titel „Gottes Handwerk – Das Wunder meines Lebens“. Die Autorin selbst beschreibt es so: „Es ist kein Ratgeber oder so etwas. Das Buch, das ich eigentlich betroffenen Eltern widmen wollte, ist inzwischen eine Geschichte, die generell Eltern oder Personen lesen, die auf diese Weise erfahren, dass egal was passiert, man die Chance bekommt, an Erfahrungen neu zu wachsen. Ich habe mich gewiss verändert und bin auch nicht mehr so leichtlebig wie früher, aber ganz sicher selbstbewusster und wirklich glücklich.“

 

Das Buch ist derzeit digital zu je 3,99 Euro über alle Bücherplattformen als Download erhältlich. In einigen Wochen auch als gebundene Ausgabe im Buchhandel.

 

von Katrin Kopatz

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