Dunkle Geschichten aus Bottrop

Ruhrgebiets-Autor Friedhelm Wessel hat eine Sammlung Kurzgeschichten über Kriminalfälle aus Bottrop veröffentlicht

Dunkle Geschichte aus Bottrop ist Friedhelm Wessels neues Buch
Dunkle Geschichte aus Bottrop ist Friedhelm Wessels neues Buch. - Foto: Julia Liekweg

Schön und schaurig verspricht das Buchcover. 30 kurze Erzählungen und Anekdoten hat Friedhelm Wessel niedergeschrieben und veröffentlicht. „Es ist mein 32. Buch, das darf man auch keinem sagen“, lacht der 76-Jährige. Doch Schluss ist für den Senior noch lange nicht.

„Dunkle Geschichten aus Bottrop“ ist schon seit dem vergangenen Jahr fertiggeschrieben, veröffentlicht wurde es aber erst in diesem September. Ab sofort ist es in allen Buchhandlungen Bottrops für 12 Euro erhältlich. Es ist vollgepackt mit echten Geschichten aus Kirchhellen und Bottrop. Natürlich sind auch wieder Erzählungen aus dem Bergbaumilieu dabei, denn Friedhelm Wessel annonciert ganz offen: „Das ist mein Steckenpferd.“

Auf wahren Begebenheiten

Die älteste Erzählung aus seinem Buch spielt zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Sie behandelt den Fall Töfflinger, der besonders den Kirchhellenern ein Begriff sein wird. Der Förster Paul Töfflinger ist am 30. Mai 1914 aus niederen Beweggründen umgebracht worden: Es ging um Geld. Zurück ließ der Förster seine Ehefrau und acht Kinder. Bis heute erinnert eine Straße in Kirchhellen und eine Gedenktafel in der Hohen Heide an den Vorfall.

Außerdem schreibt Friedhelm Wessel in seinem neuen Werk unter anderem über das Schlossgespenst „Becki“, das im Schloss Beck sein Unwesen treibt, über Frauen unter Tage, erzählt die Geschichte über die Rettung eines Pferdes aus Flammen und noch vieles mehr. Die Erzählungen haben alle mit Bottrop oder Kirchhellen zu tun. Auch der berühme Mörder Joachim Kroll, der kurze Zeit in Bottrop gewohnt haben soll, wird thematisiert.

„Die Geschichten sind alle so passiert. Die einen beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen, andere habe ich recherchieren müssen“, erzählt der ehemalige Journalist. Die Recherche habe zwar teilweise viel Arbeit gemacht, doch er freut sich über die Abwechslung, die ihm das Buchthema bereitet hat. Die dunklen Geschichten sind bei weitem nicht Friedhelm Wessels letztes Werk, verspricht er. „Ich habe alleine für dieses Jahr noch drei bis vier Bücher geplant.

Die Liebe zu Fußball und Bergbau

„Darüber schreibe ich am liebsten. Dafür interessiere ich mich auch privat“, erzählt er. Viele seiner vergangenen Projekte handelten entweder vom Bergbau oder dem Fußball in der Region. Bereits bei einem Gespräch im vergangenen Jahr erzählte er von einem Film über die Zechen im Ruhrgebiet – und natürlich auch in Bottrop – den er geplant hat. „Der Film ist schon fertig. Ich wollte ihn eigentlich in diesem Jahr in Kirchhellen vorführen, aber da kam Corona dazwischen“, erklärt er jetzt. Doch der Plan sei noch nicht aus der Welt. Sobald sich die Möglichkeit biete, soll der Zechen-Film aufgeführt werden.

„Ein weiteres spannendes Projekt, das mir am Herzen liegt, sind Geschichten über Ruhrgebiets-Fußballer, die nur einmal in der Bundesliga gespielt haben.“ Inspiriert wurde er von einem Freund, der ihm von seinem Erlebnis bei seinem einzigen Bundesligaspiel erzählte. Friedhelm Wessel machte sich daraufhin auf die Suche nach mehr solcher Geschichten – und wurde fündig. „Plötzlich habe ich noch den ein oder anderen Namen gelesen, bei denen ich merkte: Den kennst du ja persönlich!“ Schon hatte er wieder viele neue Anekdoten gesammelt, die er bald auch zu einem eigenen Projekt zusammenbringen möchte.

Ein Leben in Bewegung

Friedhelm Wessel bei der Signierstunde des Kirchhellener Bildbandes 2019 in der Humboldtbuchhandlung Kirchhellen.
Der Autor Friedhelm Wessel 2019. - Foto: Julia Liekweg

Friedhelm Wessel wurde 1944 in Oberhausen-Osterfeld geboren. Gearbeitet hat er seit 1970 als freier Journalist zwischen Dortmund und Duisburg, später war er Redakteur bei den Ruhrnachrichten für Bottrop und Gelsenkirchen. Seit 2007 schreibt er als Autor Bücher zu verschiedenen Themen. Auch Bildbände gehören in sein Repertoire, erst im Herbst 2019 brachte er seinen zweiten Bildband über Kirchhellen heraus. Aufhören möchte er noch lange nicht, denn er gibt lachend zu: „So bleibt man fit im Kopf. Das Schreiben macht mir Spaß und da ich finanziell nicht von den Veröffentlichungen abhängig bin, kann ich entspannt an die Sache herangehen.“ Alle seine Bücher und Bildbände spielen in oder handeln vom Ruhrgebiet. „Es kommt alles immer wieder zurück“, freut der Senior sich, der auch Kirchhellen immer wieder gerne besucht.

Seit vielen Jahren wohnt der Autor aber schon in Herne. Dort lebt er in einem Drei-Familien-Haus mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Erst kürzlich ist seine Enkelin ins Nebenhaus gezogen. „Wir haben ein enges Verhältnis miteinander. Die Corona-Zeit haben wir deswegen auch nicht so schlimm gespürt, denn wir haben einen großen Garten und da wir ohnehin in einem Haus wohnen, habe ich meine Töchter immer sehen können.“

Außerdem hat Friedhelm Wessel nach eigenen Aussagen fast die ganze Welt gesehen – das meint er wörtlich. „Als Warner damals den Freizeitpark in Feldhausen eröffnete, luden sie uns zu einer zehntägigen Weltreise ein. Ich war in den USA, auf Island, in Australien, wo wir uns den originalen Park in Brisbane anschauten. Ich war aber auch schon drei Mal in der Sahara mit meinem Geländewagen. Mit ausreichend Sprit und Wasser bin ich durch die Wüste gefahren.“ Mittlerweile ist der Senior aber reisemüde und hat die Schönheit an Urlauben in Deutschland für sich wiederentdeckt. Direkt nach der Wiedervereinigung sei er auch mit seiner Frau sofort „rübergefahren“ und haben sich Mecklenburg-Vorpommern angeschaut. Auch hier hat er damals schon festgestellt, dass Deutschland lohnenswerte Reiseecken zu bieten hat. „Aber meine Frau würde gerne noch einmal weiter weg in den Urlaub fahren. Vielleicht reise ich im kommenden Jahr dann doch noch einmal“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

„Ich muss aber ehrlich sagen: Ich bin gerne zuhause. In unserem großen Garten und auf der großen Terrasse vermisse ich nichts. Meine Töchter habe ich um mich, meine Enkelin wohnt auch in der Nähe. Ich habe in Herne alles, was ich brauche. Ich kann meiner Schreib-Lust nachgehen oder Dinge auch mal liegen lassen, wenn ich möchte. Ich habe Corona bisher gut überstanden und habe immer noch so viele Ideen“, zeigt sich Friedhelm Wessel sichtlich zufrieden.

von Julia Liekweg

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