Der internationale Frauentag – Frauen in Bottrop

Ein Gespräch mit Heidi Noetzel, Bottrops Gleichstellungsbeauftragte seit 2011

Am 8. März feiert wie Welt jedes Jahr den internationalen Frauentag. Wie sieht die Gleichbehandlung in den Städten aus?
Heidi Noetzel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bottrop. - Foto: Privat - Gleichstellungsstelle der Stadt Bottrop

Am 8. März feiert wie Welt jedes Jahr den internationalen Frauentag. Wie sieht die Gleichbehandlung in den Städten aus?

Fast zehn Jahre lang hat Heidi Noetzel den Wandel der geschlechtlichen Gleichbehandlung in und für Bottrop miterlebt. Ihre Tätigkeit legt sie Ende März 2021 zwar nieder, blickt dennoch auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Zufrieden ist sie vor allem mit dem derzeitigen Stand in der Bottroper Stadtverwaltung: „Es gibt spezifische Möglichkeiten zur Vereinbarung von Privatleben, Familie und Beruf. Unter anderem haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Möglichkeit auf flexible Arbeitszeiten und auf Homeoffice. Gerade während der Corona-Krise wurde das Thema Kinderbetreuung noch einmal explizit aufgegriffen und in den eigenen Büros ermöglicht“, berichtet sie. Auch im Zuge der Planung um die Erweiterung des Rathauses nimmt das Thema Kinderbetreuung einen großen Platz ein.

„Innerhalb der Verwaltung bieten wir ein In-House-Seminar über Gleichberechtigung als Chance an. Mit Programmen wie „Fit für die Zukunft“ und „Mit Frauen an die Spitze“ unterstützen wir karriereorientierte Frauen individuell“, erzählt Heidi Noetzel.

Lokale und überregionale Möglichkeiten für Frauen

„Die Gleichstellungsstelle ist gut vernetzt, sowohl innerhalb der Stadt Bottrop als auch überregional in der Emscher-Lippe-Region“, sagt Heidi Noetzel. So ist die Gleichstellungsstelle beispielsweise gut mit dem Arbeitskreis gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in Bottrop verknüpft, der unter der Federführung des gemeinnützigen Frauenzentrums Courage agiert. „Hier geht es darum, präventiv der Gewalt gegen Frauen und Mädchen entgegenzuwirken. So finden zum Beispiel lokale Projekte wie eine Kampagne zur Aufklärung über K.O.-Tropfen und Fachtagungen zu verschiedenen Themen statt“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Auch im FrauenForum Bottrop, dessen Vorsitz die Gleichstellungsbeauftragte hat, agieren Politikerinnen, Verwaltungsmitarbeiterinnen und Vertreterinnen aus Verbänden und anderen Beratungsstellen eng miteinander. „In regelmäßigen Sitzungen tauschen wir uns zu frauenspezifischen Themen in und für Bottrop aus, um Kampagnen oder andere Projekte zielgerichtet auf den Weg zu bringen. Neu hinzugekommen sind nun zum Beispiel auch die Stadtteilbüros“, freut sich Heidi Noetzel.

Doch auch in der Emscher-Lippe-Region ist die Bottroper Gleichstellungsstelle aktiv. Hier engagiert sich Bottrop beispielsweise auch an dem erfolgreichen Mentoring-Programm für junge Frauen, den Maßnahmen zur Integration am Arbeitsmarkt, aber auch an der digitalen Videoaktion anlässlich des Equal Pay Days am 10. März 2021. In der Videoaktion werden kurze Statements zur Forderung „gleiche Bezahlung für Frauen und Männer“ veröffentlicht.

„Ebenso bedeutend für uns als Gleichstellungsstelle ist die erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung mit der lokalen Politik und den Ministerien. Hier bauen wir nachhaltig und weiter strukturelle Benachteiligung von Frauen ab, weisen weiterhin auf noch bestehende Ungerechtigkeiten hin und diskutieren erforderliche Lösungswege“, sagt Heidi Noetzel.

Beratung und Aufklärung für alle Altersgruppen

Die Gleichstellungsstelle ist an vielen Angeboten zum Thema Gleichbehandlung beteiligt. „Wir geben beispielsweise den Mädchenmerker heraus, der auch viele Informationen zur Berufs- und Studienwahl bereit hält“, erklärt sie. Doch auch auf einem Info-Elternabend wurde im Rahmen der Projekttage „Komm auf Tour“ über das traditionelle Berufswahlverhalten informiert, der jährliche Girls Day/Boys Day war mit einer Roadshow bei Bottroper Unternehmen und greift ebenfalls das Thema Beruf und Studium auf. 2019, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechtes, lud die Gleichstellungsstelle zu einer großen Jubiläumsveranstaltung ein. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde eine Ausstellung mit dem Thema „Sichtbar – Bottroper Frauen“ und eine begleitende Broschüre konzipiert. Gleichzeitig gab es die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“.

Darüber hinaus beraten lokale Träger zu speziellen Themen. Beispielsweise werden geflüchtete Frauen durch das Bildungszentrum Bottrop im Rahmen von Sprachkursen über Gleichbehandlung aufgeklärt oder bei individuellen Problemen vom Frauenzentrum Courage, das AWO Frauenhaus oder die Schwangerschaftskonfliktberatung unterstützt.

Auch während der Corona-Pandemie war die Gleichstellungsstelle für Hilfesuchende da, denn: „Wir haben einen Newsletter zu Gleichbehandlung und Corona herausgegeben. Gleichzeitig haben wir noch einmal über unsere Arbeit in der Gleichstellungsstelle aufgeklärt“, berichtet Heidi Noetzel.

Weltfrauentag – Veranstaltungen werden verschoben

„Traditionell wir der 8. März immer mit einer Comedyveranstaltung und einem Kinoabend gefeiert. Die Ladies Night mit Benjamin Eisenberg war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich und immer ausverkauft“, erinnert sich die Gleichstellungsbeauftragte. Aufgrund der Corona-Pandemie werden diese Veranstaltungen nun verschoben. Auch der Kinoabend im FilmForum der VHS Bottrop, an dem in diesem Jahr der Oscar-prämierte Film „Bombshell“ gezeigt werden soll, wird verschoben.

von Julia Liekweg

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