Bürgerinitiative wehrt sich

Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald“ fordert: „Stoppt die Pläne zur Bebauung von Grünflächen in Grafenwald“. Wir haben die Diskussion beleuchtet

Foto: aureus GmbH - Stefanie Schwass

Bereits seit einigen Jahren wird in der Politik eine Neubebauung auf bisherigen Grünflächen in Grafenwald diskutiert. Schon im September dieses Jahres lud deshalb die ÖDP zum Spaziergang durch Grafenwald, um die Problematik rund um das Thema zu diskutieren. Dort wurden Stimmen der Bürgerinitiative Natürlich Grafenwald laut, die sich für die Nutzung bereits vorhandener Baulücken und klar gegen die „Zubetonierung“ der Grünflächen aussprechen. Um uns an das komplexe Thema heranzuarbeiten, haben wir mit der Bürgerinitiative und dem städtischen Baudezernenten Klaus Müller gesprochen.

Zuletzt in der Diskussion um die Bebauung von Grünflächen ging es vorrangig um das Gebiet im Bereich Heimersfeld, nördlich Ottenschlag und westlich der Straße Wiesengrund. Weshalb ist das so? 2004 wurde durch den Flächennutzungsplan der Stadt berechnet, dass sowohl in Kirchhellen als auch in Grafenwald Wohnflächenbedarf herrscht. Errechnet wurde der Bedarf über die Anzahl der Haushalte, bei der die durchschnittliche Anzahl der Personen, die in einem Haushalt leben, nachgewiesen sinkt. Das heißt: „Auch wenn die Einwohnerzahl unter Umständen sinkt, heißt das nicht, dass es keinen Bedarf an mehr Wohnfläche im Dorf gibt“, erklärt Klaus Müller, Technischer Beigeordneter im Baudezernat der Stadt Bottrop. Auch aus Grafenwald seien Stimmen laut geworden, die mehr Wohnraum im Ortsteil fordern. Die Verwaltung soll nun verschiedene Standorte untersuchen, die für eine mögliche Neubebauung in Frage kommen. „Auch die Fläche der ehemaligen Zeche Haniel IV wird in die Untersuchungen aufgenommen, hier wird es jedoch im Endeffekt genauso viele bauliche Schwierigkeiten geben wie auf den grünen Wiesen. Auf regionaler Ebene soll die Tür für die Möglichkeit einer eventuellen Bebauung des Gebietes um die Straße Heimersfeld schlichtweg offenbleiben. Auf kommunaler Ebene ist ja sowieso noch nichts passiert“, sagt der Technische Beigeordnete zu der aktuellen Diskussion.

Die Bürgerinitiative Natürlich Grafenwald aber sieht den Zeitpunkt für Diskussionen dennoch richtig gewählt. Zwar wird sich kurzfristig am Erscheinungsbild Grafenwalds nicht ändern, doch muss man jetzt schon auf die Pläne der politisch Handelnden einwirken. „Wir haben anderenorts gesehen, wie schnell es manchmal mit Entscheidungen und Veränderungen gehen kann“, erklärt Wolfgang Klinger, Mitglied der Initiative. „Unserer Meinung nach ist es besser frühzeitig aktiv zu werden, um überzogene Pläne zu verhindern, die das Zubetonieren von vielen Grünflächen zur Folge hätte.“ Ein mögliches Neubaugebiet sieht die Bürgerinitiative nicht, im Höchstfall ergänzende Bebauung. In erster Linie sollte die Politik aber ihr Augenmerk auf die Schließung von Baulücken richten. Davon gibt es nach Aussagen der Verwaltung in Kirchhellen, Grafenwald und Feldhausen rund 600.

In jedem Fall könnte ein Neubaugebiet nicht im Interesse der Bevölkerung sein, weil durch ein weiteres großräumiges Versiegeln von Flächen Erholungsräume, Bäche und Lebensräume verschiedener Tiere verloren gehen. Außerdem müsste ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die umliegenden Straßen abgeleitet werden, die dafür aber nicht ausreichen. Mit einer Online-Petition, adressiert an den Oberbürgermeister Tischler, möchte die Initiative dagegen vorgehen, die Felder überhaupt bei den Planungen in den Blick zu nehmen.

Eines hat die Bürgerinitiative aber schon erreicht. Das Thema Bebauung in Grafenwald bleibt bei Bürgerinnen und Bürgern aber auch bei der Politik im Kopf. Wir begleiten die weiteren Entwicklungen und freuen uns am Ende auf ein bestmögliches Konzept für Grafenwald.

von Aileen Kurkowiak

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